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ANDERS IST DOCH GANZ NORMAL
WENN KINDER EIN BISSCHEN AUS DEM RAHMEN FALLEN:
ERLEBNISBERICHTE
Der Anstoß zu diesem Textbeitrag kam von einem jungen Bambolino-Leser. Gemobbt in der Schule, weil er eben nicht in die Vorstellungen ein paar seiner Mitschüler passte, litt er nicht nur an der Seele, sondern auch seine Noten rutschten in den Keller. Die Bambolino-Redaktion war von seiner Strategie, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, sehr beeindruckt. Gerne griffen wir die Idee auf und merkten schnell, dass viele Kinder heute mit Einschränkungen leben müssen, die sie selbst gar nicht so sehr behindern, durch die sie aber - meist in der Schule – auffallen. Ihre Eltern leiden nicht selten mit. Es werden Experten konsultiert, Gleichgesinnte gesucht, nur um festzustellen, dass nicht die Einschränkung das Problem ist, sondern die Umwelt. Wohlgemerkt – wir sprechen hier nicht von schweren körperlichen und geistigen Behinderungen, sondern von Kindern, die ein bisschen langsamer lernen, ein bisschen Haut- oder Gelenkprobleme haben, ein bisschen schwerer hören oder sprechen. Trotzdem sind es Kinder, die genauso pfiffig und neugierig sind, gerne lachen und toben, Spaß mit Freunden haben wie alle andern auch. Ihre Familien versuchen, für sich einen Weg zu finden, den Alltag zu meistern.
Ich
weiß, dass es viele Menschen gibt, die keine glatte Haut haben. Trotzdem sind diese Menschen im Gehirn genauso klar, wie alle anderen. Ein Mensch ist nicht anders, wenn man aufgekratzte Stellen an seinem Hals oder an seinen Armen sehen kann. Deshalb sollte man diese Leute genauso behandeln, wie man selbst auch behandelt werden möchte. Leider ist das nicht immer so. Wörter, gemeine Wörter über die Haut, sind furchtbar. Schlimmer als Tritte, Schläge oder Ohrfeigen. Eigentlich gehört es sich sowieso nicht, jemanden zu beleidigen. Denn wenn jemand beleidigt wird, dann verliert er den Mut, sich zu verbessern. Es gibt ganz verschiedene Hautkrankheiten. Kinder, die z.B. wie ich, eine sehr trockene Haut haben, sind genauso wenig ansteckend wie Kinder mit Brille, Zahnspange oder Hörgerät.
(S., 10 Jahre)
Unser
Sohn war bis einschließlich der 1. Klasse ein ehr unauffälliges Kind. Sein Fehlerverhalten in der ersten Klasse war normal – ich hatte ja Vergleichsmöglichkeiten zu seinen großen Schwestern. Erst, als es sich in der 2. Klasse nicht besserte und selbst Abschreibtexte nur so von Rechtschreibfehlern wimmelten, begann ich mir Sorgen zu machen. Mein Mann war da ruhiger. Natürlich dachte ich, wir bekommen das selbst in den Griff und haben mehr geübt. Aber die Stimmung wurde immer gereizter – selbst die Hausaufgaben erledigte er nur noch zäh. Bis die Großen aus der Schule kamen, waren Nicolas und ich völlig aufgelöst. Natürlich waren die auch nicht gerade begeistert, dass es nur noch um den kleinen Bruder ging. Irgendwann war die Situation so verfahren, dass auch mein Mann meinte, wir müssten uns Hilfe von außen holen. Damit begann der Ärztemarathon – Kinderarzt, Ohrenarzt, Vorträge über ADHS, usw. Neben diesen ganzen Terminen war aber der Leidensdruck bei Nicolas das Schlimmste. Man merkte, er wollte – aber irgendetwas war wie verstopft. Irgendwann hatten wir dann alles durch, und als die Diagnose „Aufmerksamkeits- und Verarbeitungsstörung“ feststand, ging es uns erstaunlicherweise erstmal besser. Jetzt hatte man einen Punkt, an dem man ansetzen konnte. Seit sechs Monaten befinden wir uns jetzt in der Therapiephase – es sind keine riesigen, aber kleine Fortschritte zu sehen. Wir müssen zwar nach wie vor üben, aber die Atmosphäre ist entspannter, da ich weiß, was möglich ist und was nicht. Kinder mit Aufmerksamkeitsstörung haben keine Lobby wie Kinder mit einer Mathe- oder Lese-/Rechtschreibschwäche – da ist man als Mutter ziemlich alleine. Mein Mann ist da ausgeglichener. Man muss sich immer wieder bewusst machen, dass es in Sachen Schule nicht immer nur den geraden Weg gibt. Und dass man als Mutter seinem Kind nichts abnehmen kann.
Barbara (43 Jahre)
Sehr
spät begann unser Sohn zu sprechen und dann auch wenig. Wir haben ihn gelassen und gedacht, dass sich das im Kindergarten schon gibt. Die Erzieherinnen in unserem Regelkindergarten waren sehr auf die Kinder bedacht. Sie machten uns schließlich darauf aufmerksam, dass wir mit unserem Sohn unbedingt zum Logopäden müssten. Kurz später war die U4. Der Kinderarzt bestätigte die Vermutung der Erzieherinnen und machte uns ausdrücklich klar, dass wir das umgehend in Angriff nehmen mussten. Ich war total geschockt – mein Mann ging da rationaler an die Sache ran. Noch am gleichen Nachmittag habe ich mich ans Telefon gesetzt, um einen passenden Logopäden und Ergotherapeuten zu finden. Was mich tief beeindruckt hat, war der kostenlose Hörtest, den uns die Martin-Wiesend-Schule am Bildungszentrum an der von-Lerchenfeld-Schule vermittelte. Uns wurde auch empfohlen, unser Kind in den Kindergarten des Sprachförderzentrums zu schicken. Wir waren verunsichert: Sollten wir ihn auch noch von seinen Freunden trennen? Der ganze Therapieplan war für ihn sowieso sehr anstrengend. Wir haben in der Zeit Gespräche zu allen Fachleuten gesucht, die auch in die Therapie eingebunden waren. Unsere Logopädin war ganz deutlich: Der Wechsel musste stattfinden - zum Wohle des Kindes. Und sie hatte recht: Schon bald war eine deutliche Verbesserung zu hören. Dadurch veränderte sich natürlich auch sein Selbstbewusstsein, weil er nun für sich Wege fand, sich auszudrücken. Früher war er oft frustriert, weil er nicht verstanden wurde oder alles wiederholen musste. Das hat uns sehr glücklich gemacht. Es fehlte nur die soziale Anbindung: Da die Kinder aus dem ganzen Stadtgebiet und Landkreis kommen, kann man eben nicht schnell mal nachmittags zu einem Freund. Deshalb, und auch weil nicht sicher war, ob unser Sohn nicht doch die Regelschule besuchen muss, habe ich Stunden in seinem alten Kindergarten gebucht. Dringend riet man uns, unser Kind in die 1. Klasse der Martin-Wiesend-Schule am Oberen Stephansberg zu schicken. Da wir aus dem Landkreis sind, musste der Platz erst in Bayreuth genehmigt werden. Damit begann der Attest- und Gutachtenwettlauf – unser Sohn wurde komplett auf den Kopf gestellt. Die Zeit bis zur Entscheidung im Juli 2009 war sehr heftig, da wir parallel alle Termine für die Regelschule wahrnehmen mussten. Jetzt ist sein Platz für das erste Schuljahr genehmigt, und wir sind glücklich, dass wir so viel Unterstützung sowohl vom früheren Regelkindergarten als auch von der Martin-Wiesend-Schule erfahren haben. Dadurch fällt es uns als Familie auch leichter, so offensiv damit umzugehen.
Andrea (36 Jahre)
Foto-Nachweis: Sigrid Rossmann via pixelio.de
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Familien sollen sich hier willkommen fühlen!
Interview mit der Bamberger Familienbeauftragten Gisela Filkorn
Bambergs Familienbeauftragte stammt aus Wuppertal: Seit mehr als zwanzig Jahren lebt die 57-jährige Rheinländerin mit ihrer Familie in Bamberg und war 2004 Mitgründerin des Familienbeirates. Im Juni 2006 wählte der Stadtrat die ausgebildete Diplom-Kauffrau Gisela Filkorn zur Familienbeauftragten – sie soll die Fragen von Familien in Stadtrat und Verwaltung tragen und auch den Kontakt zum Familienbeirat koordinieren.
Sie arbeiten ehrenamtlich im Rahmen einer Halbtagsstelle plus Überstunden. Woher nehmen Sie Ihre Motivation?
Es ist mir ein großes Anliegen, dass die Generation nach uns eine Welt vorfindet, die lebenswert ist und dass die heutigen Kinder einmal selbst Lust haben, Kinder in diese Welt zu setzen. In Bamberg ist dieses Thema lange viel zu kurz gekommen, und da muss dringend etwas getan werden.
Geht es den Familien in Bamberg zurzeit gut?
In den letzten Jahren hat sich einiges verändert, und den Familien geht es inzwischen viel besser: Der Krippenausbau wurde vorangetrieben und viele Grundschulen bieten eine Mittagsbetreuung. Es gibt das Bamberger Ferienabenteuer und eine verstärkte Schulsozialarbeit an den Hauptschulen. Ganz neu sind der Familienpass "Däumling" und das Internetportal www.bamberg-familienfreundlich.de. Entscheidend ist aber, dass sich das Denken der politisch Verantwortlichen verändert hat: Gute und effektive Familienpolitik ist wichtig, damit die Stadt eine Zukunft hat. Bambergs Geburtenrate liegt mit 1,1 Kindern noch unter dem niedrigen Bundesschnitt von 1,2 Kindern pro Eltern.
Was brauchen Familien, um sich in einer Stadt wohl zu fühlen?
Dass sie dort ihr individuelles Modell der Vereinbarkeit von Familie und Beruf entspannt leben können. Familien wollen sich wohl fühlen, ohne dafür großen Aufwand betreiben zu müssen. Deshalb ist für berufstätige Paare das Angebot der Kinderbetreuung ein entscheidendes Kriterium für oder wider den Wohnort. Weitere Aspekte sind bezahlbarer Wohnraum und auch die kulturellen Einrichtungen. Dann, welches Klima in einer Stadt herrscht: Wie reagieren die Nachbarn auf Familien? Wie die politischen Entscheidungsträger? Gibt es soziale Netzwerke?
Wo sehen Sie vor allem noch Handlungsbedarf?
Vorwiegend im Ausbau der Krippen und der Mittagsbetreuung – ich erhalte viele Anrufe von Eltern, die verzweifelt einen Krippenplatz suchen. Das Angebot an Kinderbetreuung muss flexibler gestaltet sein, weil viele Berufe außerhalb der Kindergartenzeiten stattfinden. Wohin mit den Kindern, wenn ich im Einzelhandel arbeite, der abends bis 20 Uhr geöffnet hat? Andere Städte bieten Familiendienste für solche Randzeiten und für Notfälle. Viele Familien haben eben keine Großeltern vor Ort, die einspringen können.
Sehen Sie hier den Schwerpunkt Ihrer Arbeit?
Ja. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss gewährleistet sein. Wenn das nicht gelingt, können Familien ihre Existenzgrundlage nicht selbst sichern und sind wieder abhängig von der Kommune. Deshalb habe ich u.a. ein Netzwerk für Unternehmer mit initiiert, bei dem man sich viermal jährlich trifft und gute Beispiele familienfreundlicher Personalpolitik vorstellt.
Gibt es ein großes Ziel, das Sie bei Ihrer Arbeit verfolgen?
Ich habe schon lange die Vision, dass es in allen Stadtteilen eine niederschwellige Familienanlaufstelle gibt. Es ist so wichtig, dass die Leute Netzwerke bilden: Da kennt man sich, kann sich treffen, austauschen und vor allen Dingen gegenseitig unterstützen über alle Generationen hinweg. Ein gutes Vorbild sind die Familienstützpunkte der Erzdiözese: Diese gliedern sich an vorhandene Einrichtungen an und bieten nicht nur Beratung, sondern auch Aktionen und Kinderbetreuung. Man muss nicht immer neu bauen, sondern kann Vorhandenes nutzen.
Ist Bamberg eine familienfreundliche Stadt?
Im Großen und Ganzen – Ja! Ich höre aber immer wieder krasse Beispiele, die zeigen, dass wir kinderentwöhnt sind und sie häufig nur noch als Störenfriede wahrnehmen: Wohnungsinserate mit dem Satz ‚Haustiere und Kinder unerwünscht’. Restaurants, in denen man sich über Kinderlärm beschwert, während zwei Tische weiter Lachsalven von Erwachsenen ertönen. Eine schlimme Geschichte erzählte mir eine junge Mutter, die mit einem vollen Einkaufswagen den Supermarkt verließ und dieser auf dem Weg zum Auto an einer Bordsteinkante umkippte. Ihr Baby, das im MaxiCosi auf dem Wagen lag, flog auf den Boden, und alle Lebensmittel kippten aus. Obwohl das Kind schrie und auf dem Parkplatz einige Leute waren, hat der jungen Frau niemand geholfen. ‚Es sind alle vorbei gelaufen’, erzählte sie mir ‚und direkt neben mir hat ein älteres Ehepaar in aller Ruhe seine Einkäufe eingeladen.’ So etwas darf nicht sein! Ich wünsche mir für Bamberg die Haltung ‚Familien, ihr seid hier willkommen!’. Dafür engagiere ich mich.
Kerstin Bönisch
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Reden ohne Worte
Ein Besuch bei dem gehörlosen Elternpaar einer hörenden Tochter
Ein kleines Häuschen in Reckendorf, die Oma im Erdgeschoss, ein dreiköpfige Familie am Esstisch - auf den ersten Blick ist bei Familie Bendner alles so wie bei anderen Familien. Nur wer aufmerksam schaut, bemerkt die Signalleuchten an der Decke, das breite Fax-Gerät mit den großen Tasten und die radiofreie Stille in der hellen Wohnung. Das Ehepaar Bendner ist gehörlos. Nicht aber ihre Tochter, die zehnjährige Diana. Ein Besuch bei einer Familie, wo alles ein bisschen anders ist und doch ganz normal. Ein herzliches Gespräch, bei dem ich als Hörende erlebe, wie es sich anfühlt, sich nicht verständlich ausdrücken zu können, weil ich ihre (Gebärden-)Sprache nicht beherrsche.
Richtig laut wird es bei den Bendners, wenn Diana ihre zwei besten Freundinnen mitbringt und die Mädels gemeinsam übernachten. "Bei uns können wir auch mal die Musik voll aufdrehen und rumlärmen, ohne dass es jemanden stört", grinst das Mädchen. Wer die fröhliche Zehnjährige nach ihrem Alltag mit zwei gehörlosen Eltern fragt, muss schon gezielt nachhaken, damit ihr die Besonderheiten ihres Familienlebens überhaupt einfallen. "Für mich ist das ganz normal, ich kenne es ja gar nicht anders."
Der 44-jährige Vater hatte als Kleinkind vermutlich einen Gehörsturz, den niemand bemerkte. Erst als der kleine Klaus nicht zu sprechen begann, kam heraus, dass er schon lange sein Gehör verloren hatte. Seine Frau Daniela lernte der Schreiner über das Bamberger Gehörlosenzentrum kennen. "Beim Faschingsball", verrät die 41-Jährige schmunzelnd, die bereits gehörlos auf die Welt kam, da ihre Mutter während der Schwangerschaft an Röteln erkrankt war.
Gemeinsam erzählt die dreiköpfige Familie aus ihrem Alltag mit Hindernissen - die Eltern mit ihrer Tochter als Übersetzerin bzw. mit Unterstützung von Dianas Patentante, die das Gespräch mit Bambolino begleitet hat. Die 27-jährige Logopädin ist auch diejenige, die Dianas Eltern zum Beispiel bei den Elternabenden der Schule vertritt. Auch die übrigen Verwandten unterstützen die Familie, wo immer es geht: Bei den Hausaufgaben hilft der Onkel, wenn es in der Schule mal hakt und allen voran natürlich die im Erdgeschoss lebende Oma, die nicht nur bei Gesprächen mit Handwerkern einspringt, sondern auch die Stimme von Mutter Daniela bei Erziehungsfragen 'verstärkt'. Wie erzieht man sein Kind, wenn man nicht mit ihm schimpfen oder auch nur mal deutliche Worte sprechen kann, was erlaubt ist und was nicht? Ein Problem, das alle Eltern schnell nachempfinden können, wenn der Nachwuchs immer wieder austestet, ob die aufgestellten Regeln wirklich konsequent gültig sind. Vom Zähneputzen bis zum pünktlichen Schlafengehen an den Schultagen - während Dianas Vater schmunzelnd zugibt, dass er wie viele Väter seine Tochter gerne mal verwöhnt und ihr in vielem nachgibt, verfolgt ihre Mutter erzieherisch eine klare Linie und erlebt entsprechend mehr frustrierende Situationen, in denen die Oma nachdrücklich Klartext reden muss. Und auch Diana gibt ohne große Umschweife zu, dass sie auf die Oma eher hört als auf ihre Mutter. Auf der anderen Seite übersetzt die Zehnjährige die Wünsche ihrer Eltern z.B. beim Kauf des neuen Kaminofens an den Fachverkäufer, lässt sich von ihm die Funktionen erklären und gibt diese Informationen wiederum an ihre Eltern weiter - ohne sich darüber viele Gedanken zu machen. "Es war ja schon immer so, dass eher ich ihnen etwas erklärt habe als sie mir." Trotzdem - und auch das ist deutlich spürbar - sind die Eltern für Diana Respektspersonen und auch in ihrem Freundeskreis akzeptiert und integriert. Zwar laufen die meisten Freizeitaktivitäten der Bendners über das 1999 in Bamberg eingeweihte Klemens-Fink-Zentrum für Gehörlose ab, wo sie sich z.B. zum Schießen und Bowling mit Freunden treffen, doch von einer sozialen Zurückgezogenheit, wie sie viele gehörlose Familien praktizieren, ist bei den Bendners nichts zu spüren.
Ob ihre Tochter würde hören können oder nicht - haben Dianas Eltern bis zu ihrer Geburt nicht gewusst. Es war ihnen auch nicht wichtig, bestätigen sie übereinstimmend, doch haben beide bereits vermutet, dass Diana hören könne. Dianas Mutter habe sich immer wieder sehr dafür eingesetzt, dass ihre Tochter über die Verwandtschaft sehr gut sprechen lerne, berichtet Dianas Patin.
Wie lernt man akzeptieren, dass einen die meisten Menschen rundum nicht verstehen können, ohne sich von ihnen zurückzuziehen? Die offene Herzlichkeit der Familie Bendner und auch ihre entgegenkommende Bereitschaft, Einblick in einen Alltag ohne Hören können und ohne eine starke Stimme zu gewähren, gibt darauf eine sehr ermutigende Antwort.
Kerstin Bönisch
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Job & Kind – wie geht das?
Wie Bamberger Mütter den Spagat zwischen Familie und Beruf bewältigen
Beruflich etwas auf die Beine stellen und gleichzeitig voller Einsatz für das Familienleben – eine Lebensaufgabe, die nicht nur viel Organisation und Flexibilität erfordert, sondern auch immer wieder verlangt, die eigenen Prioritäten neu zu überdenken. Wir ließen sieben Bamberger Mütter aus ihrem Familienalltag erzählen und erfuhren dabei erfindungsreiche Lösungen, um aus dem knappen Zeitbudget eines Tages die größtmögliche Effizienz herauszuholen...
Ich habe und hatte sehr günstige Grundbedingungen Familie und Arbeit miteinander zu vereinbaren, da ich in Bamberg eine große Familie und einen verlässlichen Freundeskreis habe. Zudem wohne ich seit mehreren Jahren in einer Hausgemeinschaft mit zweien meiner Brüder und deren Familien. Durch Internet, Telefon und Fax lässt sich meine Arbeit zum großen Teil von zu Hause aus erledigen, wobei ich die Freiheit einer individuellen Zeiteinteilung genieße. Die Termine außer Haus sind meist längerfristig planbar. Meine Töchter wurden in einem großen Zeitabstand geboren, so dass die Große schon alt genug war, um auch mal auf die Kleine aufzupassen. Ich habe auch zu den Verwandten meiner Kinder gute Kontakte, d.h. sie springen und sprangen immer wieder mal gerne ein zur längeren Beaufsichtigung. Im Alltag kann ich außerdem oft mit anderen Einzelmüttern gegenseitige Absprachen treffen. Trotzdem lässt sich auch durch vorausschauende Organisation nie alles einplanen: Für solche Fälle weiß meine Familie, dass ich bereit bin alles abzusagen…, denn im Zweifelsfall geht selbstverständlich die Familie vor.
Ulrike Sansa Heucken (Geschäftsführerin Bbg Sandkerwa VGmbH, Stadträtin, Bezirksrätin, stellv. Vorsitzende Bürgerverein 4. Distrikt und IG InteresSand) mit ihren Töchtern Paulina (10) und Fioria (23)
Als Filialleiterin eines Kinderbekleidungsgeschäftes im Herzen der Altstadt von Bamberg und als Mutter zweier Kinder im Alter von 12 und 13 Jahren ist es ohne Planung nicht möglich Beruf und Kindererziehung zu vereinbaren. Neben den familiären Terminen müssen Messebesuche, Dispositionsgespräche und Event-Planungen sorgfältig vorbereitet werden. Das Aufgabengebiet umfasst sämtliche unternehmerischen Bereiche wie Werbung, Personalplanung und Marketing. Da mir in meinem Berufsleben der Kontakt mit Menschen immer wichtig war und ich meine langjährige Erfahrung im Kindergarten und meine persönliche Erfahrung als Mutter in dieses Berufsbild mit einbringen konnte, habe ich mich nach einer Begegnung mit der Firmengründerin entschlossen, seit Herbst 2005 das KIKI-Konzept in Bamberg umzusetzen. Der besondere Reiz ist die unternehmerische Freiheit und die Möglichkeit eigene Ideen und Kreativität mit einbringen zu können und trotzdem die Erfahrung der KIKI-Organisation als hilfreich zu wissen. Wir haben vorher in München gewohnt, wo ich bereits halbtags gearbeitet habe. Die Ladenöffnungszeiten ermöglichen es mir, mit den Kindern gemeinsam Mittag zu essen, sich über die Tagesereignisse auszutauschen und Hilfestellung für die Hausaufgaben zu geben. Dadurch, dass unsere Wohnung recht nahe am Laden liegt, sparen wir uns viele unnötige Wege. An manchen Abenden geht es für mich dann noch am heimischen Schreibtisch weiter mit der Ablage, Messevorbereitung und Werbeplanung. Für die Kinder war und ist meine Berufstätigkeit kein Problem, sie sind dadurch viel selbstständiger geworden, übernehmen im Haushalt diverse Tätigkeiten und manchmal sogar auch kleine Aufgaben für mich.
KIKI-Filialleiterin Gabi Rastorfer mit ihren Kindern Nicolas (12) und Marie-Theres (13)
Während meiner dreijährigen Elternzeit habe ich mir so gut wie keine Gedanken gemacht, wie Job und Familie unter einen Hut zu bringen sind. Aufgrund unseres Umzugs nach Bamberg konnte ich meinen alten Job als Einkäuferin im Versandhandel nicht wieder aufnehmen und eine vergleichbare Tätigkeit in Teilzeit war nicht zu finden. Allerdings entdeckte ich in der Elternzeit meine Liebe zur Nähmaschine wieder (ich habe mal Bekleidungstechnik studiert) und hatte viel Spaß am Entwerfen und der Herstellung von Kuscheltieren und -Decken für unsere Tochter Pauli. Alle Kuschelteile wurden mit ihrem Namen versehen - diese Unikate sind bis heute ihre Lieblingsstücke und auch im Freundeskreis als Geschenke heiß begehrt. Nach der Elternzeit besuchte ich verschiedene Existenzgründerseminare, und kam auf die Idee, meine personalisierten Geschenke professionell zu vertreiben: Im Juni 2006 gründete ich die Firma Paulili (www.paulili.de).
Die Verbindung von Familie und Beruf ist für mich glücklicherweise kein Spagat, denn ich kann mir meine Zeit völlig frei einteilen. Häufig kommt meine Tochter nach dem Kindergarten zu mir ins Atelier und darf dort dekorieren, schnipseln und Ideen zu Papier bringen. Außerdem ist sie meine größte Kritikerin und wichtigste Produkttesterin. Sätze wie: Mami, Du musst unbedingt einen Delphin ausprobieren! Und: Hast Du schon ein Pferd versucht?, sind keine Seltenheit. Auch zu den Fachmessen (Ambiente, Tendence, Heimtextil) nehme ich Pauli häufig mit. Sie huscht dort mit dem Laufrad durch die Gänge und ruft oft: Schau mal Mami, ist das nicht was für die Paulili-Firma… Mehr Spaß und Freude kann Arbeiten nicht machen!
Paulili-Gründerin Regina Schittat mit Tochter Pauli (5)
Eigentlich habe ich nicht geplant, wie Kinder mit meiner beruflichen Tätigkeit zu vereinbaren sind – meine Töchter sind alle ungeplant auf die Welt gekommen, und so bin sehr glücklich und dankbar, dass ich jetzt drei Kinder habe. Bis vor sechs Jahren arbeitete ich immer halbtags in Bamberg oder Nürnberg. Diese Ausgewogenheit von Familie und Beruf und das Arbeiten selbst haben mir geholfen, dass ich meine Mitte behalte. Dies, obwohl es in organisatorischer Hinsicht natürlich ab und zu auch eine Belastung war. Trotzdem hatte ich immer die Auffassung, dass Kinder zwar etwas Wunderbares sind, nicht aber nur die Eigenen das einzig Wichtige, für das ich mich engagieren wollte. Deshalb habe ich neben meinem Beruf u.a. die Bamberger Arbeitsgruppe des Kinderhilfswerks Terres des Hommes mitbegründet. Dieses entwicklungspolitische Engagement war ein wichtiger Gegenpol zu unserem Familienleben. Für meine Kinder hatte diese Konstellation viel Positives: Sie hatten ihre Grund-Nestwärme in der Familie, aber auch eine große Vielfalt an anderen Bezugspersonen wie Au-Pairs, Kindergärtnerinnen und Freundinnen von mir. Dadurch konnten sie schnell eine große Selbstständigkeit erwerben. Ein schlechtes Gewissen hatte ich wegen meiner Berufstätigkeit nie, außer einmal: Die Pamina-Eröffnung war parallel zur Einschulung meiner Jüngsten, und da habe ich schon deutlich gespürt, dass meine berufliche Entscheidung ein Stück auf Kosten meines Kindes gegangen wäre, wenn nicht der fürsorgende Vater viel Familienarbeit übernommen hätte. Der Start in die Selbständigkeit vor sechs Jahren war für mich ein echter Sprung ins kalte Wasser - seitdem arbeite ich Vollzeit Plus. Hilfreich ist, dass meine ganze Familie sich von Anfang an mit Pamina identifiziert hat. Und auch Dorothea war und ist – obwohl gerade das erste Jahr für uns alle unglaublich heftig war – stolz auf unseren Laden.
Pamina-Inhaberin Katharina Müllerschön mit ihren Töchtern Juliane (21), Johanna (19) und Dorothea-Sophie (12)
Ich glaube, dass das Geheimnis eines erfüllten (Familien-)Lebens in der Freiheit der Zeiteinteilung steckt. Ich habe bei meinen beiden Kindern das Vereinbaren von Beruf und Familie völlig unterschiedlich gelebt. Mit Christopher lebte ich allein und habe damals als Karrierefrau dreimal soviel verdient wie heute. Dafür war aber mein Kind fremd erzogen, meine Wäsche fremd gebügelt, meine Küche fremd bekocht, und ich fühlte mich eigentlich nur als Gast zuhause und hatte einen wahnsinnigen Druck. Heute arbeite ich selbstständig – zwar mit deutlich geringerem Verdienst, aber dafür kann ich mir meine Zeit selbst einteilen. Da ist unser umzäunter Garten, in dem David auch mal allein herumwildern kann. Dann Christopher, der seinen kleinen Bruder liebt, gern mit ihm zusammen ist und auch mal die Windel wechseln mag. Die Hilfsbereitschaft unserer Nachbarn, die unseren Kleinen mal am Nachmittag und manchmal sogar über Nacht zu sich nehmen, wenn ich Seminare gebe. Und natürlich mein Mann, der auch mal frei nimmt, wenn ich auf Tournee bin oder gerne mitkommt. Außerdem gibt es das Kindercafé am Bergschlösschen, in dem ich guten Gewissens arbeiten kann, während David spielt. Natürlich muss ich manchmal auch Angebote sofort abgeben, doch kann ich sie natürlich auch abends ausarbeiten. Ich halte mich nicht für eine Multi-Tasking-Frau, doch wenn ich mir eine neue DVD zur Stimmbildung anschaue oder ein Hörspiel für mein neues Stück anhöre, kann ich dabei auch bügeln. Ich finde, dass Frauen soviel zusätzlich im Haushalt als selbstverständlich sehen und machen, dass es auch mal gut ist, etwas abzugeben. So habe ich 12 Stunden pro Woche jemanden für Hausputz und Büro und eine FSJ-Praktikantin. Natürlich sind dies weitere Kosten, die mich weniger verdienen lassen, dafür dienen sie aber meinem bzw. unserem Familienglück. Die Regie-Proben für ein neues Stück machen wir auch abends, so dass ich ein zwar manchmal auf eine 50 Stunden-Woche komme, die aber immer erfüllt ist von einem gemeinsamen Miteinander.
Figurenspielerin Peggy Hoffmann mit ihren Söhnen Christopher (17) und David (2)
Ich kam vor allem deshalb zur Selbstständigkeit, weil ich bei meinem bisherigen Arbeitgeber feststellen musste, dass es für eine Mutter von zwei Kindern kein zeitliches Konzept gibt. Ich war Bereichsleiterin an einem Nürnberger Marktforschungsinstitut und sollte dann 4-5 Stunden am Vormittag Teilzeit arbeiten – das hätte mit den Fahrzeiten nie funktioniert. In der Babypause hatte ich eine Weiterbildung zur Drehbuch-Autorin absolviert und für Freunde und Bekannte immer wieder Visitenkarten entworfen. Als ich merkte, dass meine Ideen überall gut ankamen, beschloss ich vor drei Jahren, den Schritt in die Professionalität zu wagen und eine Werbeagentur zu gründen. Das klappt gut, weil durch mein Home-Office viele Probleme wegfallen, etwa wenn ein Kind krank ist oder die Schule ausfällt. Wir essen gemeinsam zu Mittag – was es gibt, überlege ich mir per Essensplan im voraus, dann muss ich mir nur einmal in der Woche Gedanken machen, und das entstresst mich. Nach dem Essen gehen die Kinder für zwei Stunden an den Schreibtisch und ich dann auch – für Routinearbeiten, bei denen sie mich auch mal stören dürfen. Wenn sie schlafen, arbeite ich dann abends meist noch mal für zwei Stunden weiter. Beide sind auch in den Alltag miteingebunden und erledigen kleine Aufgaben wie Tischdecken, Brot holen etc. eigenständig. Sie sind dadurch sehr selbstständig und danken mir diese Freiheiten auch. Das Wochenende gehört der Familie, da arbeite ich gar nicht – solche klaren Absprachen und Strukturen finde ich besser als diese Gleich habe ich für dich Zeit-Sätze, die für alle unbefriedigend sind. Einmal pro Woche kommt eine Haushaltshilfe, und ansonsten habe ich mir einfach abgewöhnt, in Sachen Haushalt und Garten perfekt sein zu wollen. Ich versuche mir immer wieder bewusst zu machen, was wirklich wichtig ist: Das ist mein Beruf und die Sicherheit, dass meine Kinder sich gut aufgehoben fühlen. Alles andere ist zweitrangig.
Werbefachfrau Britta Ruder von www.ideenfundus-bamberg.de mit ihren beiden Kindern Jan (9) und Hannah (6)
Vorweg: Ich gehöre zu den Menschen, die nicht still sitzen können, es noch nie konnten und auch nicht können werden. Trotzdem frage ich mich immer wieder, wieso ich mir den Stress antue und arbeite, obwohl ich zwei Kinder daheim habe und einen Mann, der Lehrer ist? Vielleicht deshalb, weil meine Arbeit nicht geeignet ist, um wirklich Geld zu verdienen, sondern vor allem viel Geduld und eine riesengroße Portion Idealismus braucht. Daraus resultiert der Spaß, den ich an meiner Arbeit habe. Mein Alltag besteht darin, für jeden Tag früh zwischen halb sechs und halb sieben den größtmöglichen Hut zu finden, um alles unterzubringen. Wenn ich gegen acht Uhr die letzten Krümel vom Frühstückstisch wische und meine beiden Kinder sich wieder gegenseitig beim Spielen stören, organisiere ich, wer heute noch etwas von mir braucht, oder ob ich vielleicht doch ein paar Takte üben kann. Das Mittagessen stelle ich inzwischen in Etappen her, weil ich nie weiß, ob es zwecks Brüderverständigung nicht ratsamer ist, mit den Jungs eine Runde Lego zu spielen. Sobald nach dem Essen der eine schläft und der andere alleine spielt, bereite ich meinen Unterrichtsnachmittag vor, stelle das Essen für mich und meinen Mann fertig und gehe nicht mehr ans Telefon, weil ich sonst niemals pünktlich zum Unterricht käme. Immer, wenn ich nachmittags arbeite, bringe ich die Kinder zu meinen Eltern, die zum Glück nach wie vor die zwei Jungs halb- oder ganztags und manchmal auch über Nacht gerne bespaßen. Ohne sie könnte ich nicht in diesem Umfang arbeiten – es lebe die Großfamilie! An einem normalen Wochentag hole ich die Kinder abends bei meinen Eltern ab, bringe sie auf dem schnellsten Wege ins Bett und habe noch mindestens zwei Stunden Schreibtischarbeit vor mir. So ist die Planung, und als ich mit meinem zweiten Sohn schwanger war, wusste ich nicht, dass es so hart sein würde, zumal Fabio die ersten drei Monate viel geschrieen hat und bis vor zwei Wochen nicht durchschlafen konnte. Das war ich von Enrico nicht gewöhnt, weshalb ich auf dem Formular zur Elternzeit ganz zuversichtlich angegeben hatte, dass ich auch mit zwei Kindern im bisherigen Umfang weiterarbeiten würde. Hätte ich geahnt, was da auf mich zukommt, hätte ich niemals zugesagt, aber so musste ich mich eben durchbeißen, und mit dem Motto ‚Es wird schon wieder’ habe ich es bis heute geschafft.
Flötenlehrerin Katja Pütz mit ihren Söhnen Enrico (3) & Fabio (1)
Texte: Kerstin Bönisch
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Sommer, Strand & Seifenblasen
Eine Bamberger Urlaubslieder-CD von Vater und Tochter
Urlaubszeit ist Familienzeit, und im Italien-Urlaub hatten der Bamberger Musiklehrer Johannes Klehr und seine achtjährige Tochter Hanna auch die Idee, ihre schönen Ferientage in eine CD zu verwandeln, die alle Gefühle rund um das Urlauben einfängt. Und so entstanden 13 Songs für Grundschul-Kids: mal rockig, mal als Ballade oder im Rap-Gewand, mit Geschichten, Träumen und Eindrücken. Da geht es natürlich ums Fernweh und Sandburgen bauen, aber auch um Andy Goldsworthy, ein Feuer am Strand oder den Urlaub bei Oma. In den Songs begegnet Salzwasser-Jim dem nervigen Max Mäkelig, während musikalisch Reggae und Calypso auf Rap und Pop treffen. Hanna selbst singt nur das Seifenblasen-Lied; die anderen Stücke bestreiten ihr Vater und befreundete Künstler unter dem Pseudonym Helden & funTasten. Mit dabei sind bekannte Bamberger Stimmen und Musiker z.B. von Rabatz & die Rauber oder Rettich n Wine.
Die CD ist gerade erschienen und im öffentlichen Handel für 12,99 Euro erhältlich. Mehr Infos und Hörproben unter www.classicconcept.com
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Wann sind wir endlich da?
Bambolino-Tipps für lange Bahnfahrten mit (Klein-)Kindern
Wer des öfteren mehrstündige Bahnfahrt mit Vorschulkindern unternimmt, weiß, dass die Urlaubstage danach redlich verdient sind. Die – ziemliche lange - Alterspanne zwischen dem friedlich nuckelnden Säugling und dem Neunjährigen, der sich alleine mit Gameboy oder Buch beschäftigt, erfordert von zugreisenden Eltern viel Einfallsreichtum und Nervenkraft. Hier ein paar erprobte Tipps zum Ausprobieren...
Der junge Mann mit dem Laptop war die Rettung: Er und sein „Simpsons“-Film bannten den Nachwuchs nämlich für zwanzig Minuten ruhig in die ICE-Sessel. Kleinkinder sollen nicht fernsehen und wenn, dann nur geeignete Sendungen. Richtig. Aber wer dank Lokführerstreik bereits acht Stunden mit Fähre und Zug unterwegs ist (und noch zwei weitere Stunden vor sich hat...), mit zwei übermüdeten Gören dreimal im Affenzahn umgestiegen, die Gummibärchen-Vorräte verbraucht und alle Pixie-Bücher vorgelesen hat – dem sind die üblichen Prinzipien ziemlich egal. Eine Ausnahmesituation - auch wenn der Lokführer-Streik im vergangenen Jahr als Damoklesschwert über praktisch jeder Bahnreise hing. Dennoch lassen sich normalerweise auch mehrstündige Zugfahrten ganz gut planen und mit ein bisschen Einfallsreichtum einigermaßen stressfrei gestalten. Wer dreimal umsteigen muss, und dank der engen ICE-Taktung dafür jeweils maximal neun Minuten Zeit hat, kann daraus ein lustiges Wettrennen zum nächsten Bahnsteig erfinden, das den Kindern sogar Spaß macht. Wer mit Kinderwagen unterwegs ist, rennt eben alleine und sollte keine Hemmungen haben, sich die Hilfskräfte für das Treppentragen weitsichtig zu organisieren „Müssen Sie auch zu Gleis 9? Können Sie mir helfen?“ Rechtzeitig einen freien Fahrstuhl zu ergattern (in Würzburg fällt diese Option mangels Vorhandensein ohnehin aus), ist in den wenigsten Fällen erfolgreich. Dass die ICE-Gänge nicht wirklich für ein problemloses Kinderwagen-Rangieren angelegt sind und ein Wagon höchstens für zwei gleichzeitig Platz bietet, hat sich inzwischen herumgesprochen. Bessere Lösungen sind Buggy, Tragetuch oder Laufrad - gerade letzteres lässt sich immer in ein Lücke schieben und beschleunigt den Nachwuchs beim Umsteige-Sprinten enorm!
Gepäck vorausschicken!
Größeres Gepäck sollten zugreisende Familien ohnehin lieber vorausschicken oder – was auch geht: Den gut gesicherten Koffer kurz vorher zum Paket-Preis bei der Post aufgeben! Dafür lieber eine Spielzeugüberraschung ins Handgepäck stecken – für all jene Situationen, in denen vor Müdigkeit oder Überreizung gar nichts mehr geht. Auf das Ablenkungsmanöver „Guck mal, was es draußen zu sehen gibt!“, ist nicht dauerhaft Verlass. Besser eine Notfall-Überraschung gut einpacken (das verlängert die Beschäftigungszeit) und darauf achten, dass sie keine verlustreichen Kleinteile enthält. Weitere Joker: Lutscher, Süßigkeiten-Säckchen, Matchbox-Autos mit Zeichenblock zum Straßen- oder Baustellenmalen, Steck- und Fädelspiele, Malbücher, Memory oder Schwarzer Peter. Die erwähnten Pixie-Bücher wiegen fast nichts und können lesebegeisterten Eltern viel Ruhe verschaffen – und die Dankbarkeit der anderen Mütter: Bei der letzten Fahrt lauschten gleich fünf Kinder im Großraumwagen unseren Geschichten... Tragbare DVD- oder CD-Player leisten ebenfalls gute Unterhaltungsdienste, sind allerdings deutlich unhandlicher, und man sollte lieber volle Akkus parat haben statt sich auf günstig platzierte Steckdosen zu verlassen.
Kinderabteil – ja oder nein?
In den ICEs der neuen Generation hat man sie bereits wieder abgeschafft, in den alten gibt es sie noch: die Kinderabteile. Also – eins pro ICE! Vier Sitzplätze plus Kinderwagenstellplatz und um die Ecke drei weitere Sitzplätze plus Kletter-Etage. Nach einer privaten Zugfahrt-Umfrage scheiden sich an der Frage „Kinderabteil – ja oder nein?“ die Mütter-Geister. Die Vorteile sind offensichtlich: Platz zum Laufen und Ausbreiten von Spielzeug, Ungestörtheit, die Toilette ist gleich nebenan, und mit etwas Glück sind andere Kinder da, mit denen sich der Junior den Großteil der Zeit vergnügen kann. Die Nachteile: der deutlich höhere Lärmpegel und das Risiko, dass der Nachwuchs schlecht drauf ist, sich fremdes Spielzeug aneignet oder die anderen Kinder tyrannisiert. Nach diversen ICE-Großraumwagen-Fahrten als mehrstündige Alleinunterhalterin bin ich inzwischen ein bekennender Kinderabteil-Fan, der die so entstehenden Kontakte zu anderen Reise-Familien genießt! Wir trafen dort u.a. ein türkisches Mädchen, mit dem wir eine Zeichensprache erfanden und Luftballon spielten, eine Mutter, die für alle Kinder im Abteil einen Malwettbewerb ausrief, während ich Zeitung lesen konnte, Eltern, die Puzzles oder tolle Rennautos dabei hatten, und jene zwei Münchner Gören, die zuerst als fiese Zicken auftraten, dann aber friedlich mit dem Junior „Wir sind eine Familie“ spielten... Noch ein Tipp: Wem es nicht gelingt, vorab einen Platz im Kinderabteil zu reservieren, sollte trotzdem beim Einsteigen gucken, ob darin nicht doch freier Platz ist. Der findet sich nämlich in der Regel immer...
Kerstin Bönisch
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Herausforderung und Bereicherung
Diplom-Sozialpädagogin Judith Schobert im Interview über das Familienleben von und mit Pflegekindern
Nicht jedes Kind hat die Möglichkeit, ausschließlich in seiner eigenen Familie aufzuwachsen. Gründe wie Berufstätigkeit der Eltern, Krankheit oder auch schwere familiäre Belastungen können die Erziehung und Betreuung durch die eigene Familie zeitweise unmöglich machen. Hier springt die Pflegefamilie ein. Pflegeeltern geben einem Kind, dessen leibliche Eltern seinen Bedürfnissen nicht gerecht werden, ein liebevolles Zuhause. Da Vollzeitpflegestellen von den Jugendämtern häufiger gesucht werden als Adoptiveltern, sind die Chancen, ein Leben mit Kindern zu realisieren, auf diesem Weg größer. Bambolino sprach mit Judith Schobert, Ansprechpartnerin für Pflegekinder und deren Familien am Jugendamt Bamberg, über das Familienleben von und mit Pflegekindern.
Warum gibt es eigentlich Pflegekinder?
Manche Kinder haben wesentlich schwierigere Startbedingungen im Leben als andere. Auch in Deutschland - und auch in unserer Stadt - gibt es Kinder, die in Armut aufwachsen, nicht ausreichend versorgt und geliebt werden, Erfahrung mit körperlicher, seelischer oder sexueller Gewalt gemacht haben bzw. von Misshandlung oder Vernachlässigung bedroht sind.
Warum lässt sich das nicht vermeiden?
Nicht alle Eltern, die schwerwiegende Erziehungsprobleme haben, zeigen den Mut oder die Einsicht, um rechtzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und so weiterhin als Familie zusammenleben zu können. Oft überlagern Probleme und extreme Stressfaktoren die Absicht ein guter Vater oder eine gute Mutter zu sein. Es kann sich dabei z.B. um Erkrankungen, eigene Misshandlungserfahrungen oder wirtschaftliche Notlagen handeln.
Wie leben die Pflegekinder mit zwei Müttern und zwei Vätern?
Pflegekinder sind Kinder mit zwei Familien: Sie haben die Familie, in der sie aufwachsen, und sie haben die Familie ihrer leiblichen Eltern. Von der Herkunftsfamilie stammen sie ab, von den Pflegeeltern werden sie angenommen. Beides ist für das Kind von großer Bedeutung. Die Kinder haben häufig einen besonders hohen Entwicklungs- und Förderbedarf und verlangen ihren Pflegeeltern sehr viel Aufmerksamkeit, Geduld und Toleranz ab. Das Kind hat es nicht leicht: Einerseits soll es Vertrauen zu den Pflegeeltern aufbauen und sich in seiner neuen Umgebung einleben. Andererseits muss es mit den Gefühlen für seine bisherigen Bezugspersonen zurechtkommen.
Hat die Pflegefamilie auch Kontakt zu den „richtigen“ Eltern?
Ja, Pflegeeltern müssen mit der Herkunftsfamilie des Pflegekindes kooperieren. Das ist nicht immer einfach. Paare, die ein Kind in Pflege nehmen, müssen sich darüber im Klaren sein, dass die Fremdunterbringung meist vor einem problematischen Hintergrund geschieht, z.B. weil die Kindeseltern suchtabhängig oder psychisch erkrankt sind. Trotzdem wird versucht, den Kontakt zwischen dem Pflegekind und seinen leiblichen Eltern zu ermöglichen. Besteht kein Kontakt zur Herkunftsfamilie, fühlt sich das Kind im Stich gelassen und macht sich selbst für die Trennung von den Eltern verantwortlich.
Wie lange bleibt das Kind in der Pflegefamilie?
Da gibt es zwei Möglichkeiten: Wenn die leiblichen Eltern nicht erziehungsfähig sind, bleibt das Pflegekind auf Dauer in seiner Pflegefamilie und findet dort bis zur Volljährigkeit seinen Lebensmittelpunkt oder wird sogar adoptiert. Während der Vorbereitung der zukünftigen Pflegeeltern wird geklärt, ob sie sich auch ein zeitlich begrenztes Zusammenleben mit einem Kind oder Jugendlichen vorstellen können. Wenn das der Fall ist, dann kann ein Kind auch in eine Pflegefamilie vermittelt werden, und so lange dort leben, bis seine leiblichen Eltern wieder in der Lage sind die Erziehungsverantwortung zu übernehmen. Ein befristetes Pflegeverhältnis wird in der Regel innerhalb von zwei Jahren wieder beendet.
Welche Voraussetzungen braucht man, um ein Pflegekind aufzunehmen?
Am wichtigsten sind Erziehungskompetenz, Toleranz, eine stabile Lebenssituation, ausreichendes Einkommen, ein angemessener Altersabstand zum Kind sowie Kooperationsbereitschaft gegenüber dem Jugendamt.
Gibt es unterschiedliche Formen der Familienpflege?
Ja! Kinder, die von ihren Eltern auf zunächst unbestimmte Zeit nicht selbst versorgt werden können oder Kinder, die dauerhaft ein zweites Zuhause in einer Familie brauchen, leben in Vollzeitpflege. Bei der Wochenpflege sind die Kinder von montags bis freitags in der Pflegefamilie und leben am Wochenende bei ihren Eltern. Zur Überbrückung einer Betreuungslücke in der Herkunftsfamilie dient die Kurzzeitpflege, bei der die Zeit des Zusammenlebens mit den Kindern nur zwischen wenigen Tagen und bis zu zwei Monate liegt. Bei der Bereitschaftspflege schließlich werden Kinder in Pflegefamilien untergebracht, für die aufgrund einer akuten Krisensituation eine sehr schnelle Unterbringung notwendig ist. Die Kinder bleiben in der Familie, bis eine geeignete Perspektive gefunden ist. Bereitschaftspflegeeltern haben in der Regel eine pädagogische Ausbildung.
Cornelia Lobe
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