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Bambolino
Bamberg

Familienleben in Bamberg - mit Bambolino!
Im April 2003 fuhren wir unser erstes Bambolino-Magazin höchstpersönlich in die Druckerei, und an das Hochgefühl während dieser Autofahrt, aus dem Nichts etwas völlig Neues geschaffen zu haben, erinnere ich mich bis heute. Bambolino ist das einzige Familienmagazin für die Stadt und den Landkreis Bamberg und hat sich bei den ansässigen Familien schnell eine große Fan-Gemeinde erarbeitet. Dies vor allem durch unseren umfangreichen und sorgfältig recherchierten Veranstaltungskalender, der auch Termine aus der nunmehrigen Metropolregion Nürnberg aufgreift - Eltern können sich bei Bambolino darauf verlassen, dass es alle wissenswerten Angebote für ihr Kultur- und Freizeitleben mit den Kindern übersichtlich aufbereitet. Aber auch auf die Themen unserer Texte erhalten wir eine lebendige Resonanz - wir schreiben über die Familien vor Ort und alles, was sie bewegt und das kommt gut an. Trotz unseres nur zweimonatlichen Erscheinens können wir an der rege genutzten “Fundgrube” mit den Kleinanzeigen und den zahlreichen Gästen auf unserer Homepage die starke Leser-Blatt-Bindung messen, die unser Bambolino sich geschaffen hat.
Seit Beginn 2010 erscheint Bambolino im neugegründeten WortWerk Verlag, den ich gemeinsam mit Britta Ruder (links auf dem Foto) führe. Vor knapp zwei Jahren konnte ich die Marketingfachfrau für Bambolino begeistern und seitdem konnten wir immer wieder feststellen, dass uns das gemeinsame Schaffen nicht nur viel Spaß macht, sondern dass wir uns auch fantastisch ergänzen. Dieser gewachsenen Zusammenarbeit geben wir mit dem WortWerk Verlag einen schönen Rahmen. Unser Ziel ist, dadurch noch mehr als vorher für die Familien in und um Bamberg das Wort zu ergreifen und sie dabei zu unterstützen, Bamberg zu einer familien- und kinderfreundlichen Stadt zu entwickeln, in der sich alle Eltern willkommen und aufgehoben fühlen.
Kerstin Bönisch

Webseite:
www.bambolino-online.de

 

Unser aktueller Artikel

Loben statt Noten
Sechs kleine Zahlen bestimmen mehr oder weniger neun, zehn oder zwölf Schuljahre unserer Kinder. Und wenn man sich überlegt, welcher Graben sich für einen Viertklässler in Bayern zwischen 2,33 und 2,66 auftun kann, lässt einen das zunehmend an unserem Bildungssystem zweifeln. Dass das auch entspannter und besser geht, machen uns die Finnen vor- seit Jahren bei Pisa ganz weit vorne. Was das Geheimnis unserer skandinavischen Nachbarn ist, erzählt uns Dr. Udo Kegelmann.

Herr Dr. Kegelmann, Sie sind Vater von zwei schulpflichtigen Kindern und zugleich Lehrer an einer Berufsschule. Wie erleben Sie die Bewertung durch unser bayerisches Notensystem?
Da schlagen natürlich zwei Herzen in meiner Brust. Als Lehrer verstehe ich auch nach 20 Jahren Schuldienst die Notengebung relativ entspannt als eines von vielen Messinstrumenten, um Schülerleistungen zu überprüfen. Aber um es mit den Worten des kürzlich verstorbenen Soziologen Ulrich Beck zu umschreiben, stehen wir in der Gefahr, dass sich Begriffe wie "Noten", "Schule" oder "Bildung" zu so genannten "Zombie-Kategorien" entwickeln. Das heißt, sie verweisen auf etwas scheinbar Lebendiges, das in der Realität jedoch seine ursprüngliche Bedeutung längst verloren hat. Sind Schüler am Ende einer Unterrichtseinheit tatsächlich in der Lage den geforderten Transfer zu leisten? Schüler verbringen heute mindestens soviel Zeit für die Vor- und Nachbereitung von Unterricht wie für den Schulbesuch selbst. Geht es uns wirklich nur noch ums "Abliefern"? Oder aber um eine gute Bildungsarbeit mit Lernerfahrungen, von denen Schüler nicht nur auf ihre, sondern auch auf vielfältige Weise gerne berichten, gewissermaßen "Zeugnis ablegen" wollen? Wir müssen das Phänomen "Lernen" wieder als eine positive menschliche Grunderfahrung verstehen, erleben und vorleben. Wir benötigen daher mehr Kreativität in offenen Lehr- und Lernbedingungen, die logischerweise neue und schülergerechte Formen der Leistungserhebung zur Folge haben wird.

Gibt es echte Alternativen zu den bisherigen Leistungserhebungen?
Es gibt zu den üblichen "paper and pencil"-Aufgaben alternative Prüfungsformen. Hier wünsche ich mir mehr Mut und Kreativität zu neuen, modernen Formen an Leistungsnachweisen, insbesondere auch dabei, wo es um das Einbringen an aktuellen Medienerfahrungen durch Schüler geht. Gerade hier schöpfen wir die vielfältigen technischen Möglichkeiten, die es mittlerweile zuhauf gibt, bei weitem nicht aus. Ein Schüler, der mit der kostenlosen App "Book Creator" ein multimediales interaktives eBook über ein Themengebiet erarbeitet und sich in seiner Präsentation den Fragen der Lehrkraft und der Mitschüler stellt, hat sicherlich mindestens soviel gelernt, wie jemand, der nur träges Faktenwissen in einem Test reproduziert.

Worin sehen Sie die schlimmsten Gefahren des bisherigen Noten- und Bildungssystem?
Hand aufs Herz: In einer Neidkultur hat die Reduktion von Schülern auf ihre Noten - auch wenn dies selbstverständlich keiner offen zugibt - eine verheerende Wirkung auf die Persönlichkeitsentwicklung einer ganzen Generation. Dass wir Begriffe wie das "Grundschulabitur" mittlerweile bedenkenlos hinnehmen, ist ein Skandal an sich. Man muss wirklich sein Kind im Blick behalten und sich überlegen, welche Schulart die richtige ist. Hier künstlich mit Nachhilfe-Maßnahmen zu unterstützen, halte ich für sehr bedenklich. Es tut mir in der Seele weh, dass unser Bildungssystem von Beginn an zur Separierung und nicht zur Integrierung führt. Wir produzieren dadurch mehr Einzelkämpfer als teamfähige Zeitgenossen. Da sind uns andere Länder, insbesondere die skandinavischen Nationen, um Welten voraus. Auf die Erkenntnis, dass wir in der Gruppe mehr Qualität zustande bekommen als durch individuelle Egotrips, wird auch unsere Gesellschaft auf Dauer nicht verzichten können.

Was machen unsere finnischen Nachbarn besser?
Ich habe in den vergangenen zwei Jahren einen intensiven Schüleraustausch mit einem großen Berufsschulzentrum in Helsinki betreut - auch vor Ort. Seit Jahren gilt es zu Recht als das beste Bildungssystem weltweit. Der wesentliche Unterscheid zu unserem System ist, dass sich die Kinder in aller Ruhe entwickeln können. Man lässt ihnen die Zeit, die sie benötigen. Es droht kein "Grundschulabitur", weil alle Schüler von der 1. bis zur 9. Klasse zusammenbleiben. In dieser Gesamtschulzeit bleibt auch kein Kind sitzen. Anders als bei uns wird im Unterricht immer erst dann fortgeschritten, wenn wirklich alle den Stoff beherrschen. Wer grundlegende Verständnisprobleme besitzt, wird parallel zum laufenden Unterricht durch Extralehrer im Einzelunterricht gefördert. Zudem werden die Fächer als Module angeboten, d.h. man kann schlechte Noten in einem Fach durch Kursnoten anderer Module jederzeit ausgleichen.
Der Unterricht ist sehr schülerorientiert. Er ist nicht so verkopft wie bei uns, sondern es wird großer Wert darauf gelegt, dass die Schüler die Inhalte auch in ihrer praktischen Bedeutung beherrschen. Das alles lässt sich natürlich nur in kleinen Klassengrößen umsetzen. In Finnland sitzen maximal 15 Schüler in einer Klasse. Sind mehr Kinder vorhanden, dann gibt es auch mehr Klassen (und damit mehr Lehrer) oder es unterrichten, z.B. sind bei 22 Schülern dann eben zwei Lehrer im Klassenzimmer.
Wer nach der 9. Klasse den Weg zum Abitur weitergehen möchte, muss erst eine Aufnahmeprüfung bestehen, um die 10.-12. Klasse besuchen zu dürfen. Alle anderen Schüler beginnen nach der 9. Klasse eine Berufsausbildung. Aber wie gesagt, man muss nicht die Fachhochschule extra nachholen. Der Berufsabschluss qualifiziert zur Aufnahme eines Fachhochschulstudiums, von wo aus man auch an die allgemeine Uni wechseln kann. In einem landeskundlichen Buch trägt das erste Kapitel den Titel "Kinder sind unsere Zukunft", gefolgt von den Themen "Hochschulwesen und Knowhow", "Design und Kultur". Das sagt doch alles...

Die Grundschullehrerin Dagmar Richter dreht die Korrektur bei Diktaten einfach um. Statt zu sagen "Du hast 9 von 50 Wörtern falsch geschrieben", lobt sie für 41 richtig geschriebene Wörter. Das müsste doch allgemein umsetzbar sein?
Diese Perspektive gilt ja nicht nur für das schulische Umfeld, sondern für jeglichen erzieherischen Kontext. Dahinter steckt der Gedanke, dass ich jemanden in seinen Stärken fördern möchte und ihm nicht ständig nur seine Schwächen vorhalten will. Das geht doch auch uns Erwachsenen so. Wir sollten uns viel häufiger in die Lage unserer Kinder und Schüler versetzen und uns ehrlich fragen, ob wir das alles so mitmachen würden. Loben ist die einfachste und wirkungsvollste Verstärkung, die wir kennen. Ob Lehrer in Klassenarbeiten alles grün anstreichen, was richtig ist und rot markieren, was falsch war, mag in diesem Zusammenhang aufwändig klingen. Es wäre aber eine von vielen Möglichkeiten, zur ursprünglichen Idee der Notengebung zurückzukehren, d.h. den Schülern ein Feedback darüber zu geben, was sie bereits können und woran sie noch arbeiten müssen, um einen Sachverhalt ganz zu verstehen.

Viele Bildungspädagogen sind der Meinung, dass niemals Noten, sondern nur ein guter Lehrer motivieren kann. Sind finnische Lehrer motivierter?
Ein ganz wichtiger Aspekt ist: Dadurch dass das Bildungssystem eine solche Hochachtung genießt, wird auch die Arbeit von Lehrern in der Bevölkerung sehr hoch geschätzt. Lehrer und Schulleiter sind Angestellte und werden entsprechend ihrer Leistungen eingestellt oder gekündigt. Professionell gesehen leisten finnische Lehrer nur das, wofür sie auch studiert haben, nämlich unterrichten und zensieren. Damit bleibt auch mehr Raum für gemeinsame Unterrichtsprojekte über Fach- und Klassengrenzen hinweg. Alle zusätzlichen organisatorischen, verwaltungsbedingten oder auch sozialpädagogischen Aufgaben übernehmen Führungskräfte (z.B. Lehrer als Abteilungsleiter, die aber nicht mehr oder nur kaum unterrichten) oder externe Fachleute, z. B. eine studierte Bibliothekarin für die Schulbücherei. Es sind wirklich die äußeren Umstände, die es uns zunehmend erschweren, motiviert zu bleiben. Wenn ich meine Lehramtsstudenten ansehe, bin ich wirklich begeistert, mit wie viel Elan und Engagement sie an ihrem Bild von einem künftigen Lehrer arbeiten. Das ist eine echte Freude. (Britta Ruder)

Dr. Udo Kegelmann ist 49 Jahre alt ist Berufsschullehrer (an der Berufsschule II Bamberg) im Bereich Mediengestaltung/Drucktechnik (u.a. Studienaufenthalt Masterstudiengang "Instruktionsdesign" an der Florida State University, USA), Lehrbeauftragter für Instruktionsdesign an der Uni Nürnberg (internationaler Masterstudiengang "Multimedia-Didaktik"), Lehrbeauftragter für "Mobiles Lernen/Tablets im Unterricht" an der Uni Bamberg (Lehrstuhl Schulpädagogik Frau Prof. Rahm, dort unterrichte ich Lehramtsstudenten aller Fachrichtungen von GS, MS, RS bis Gym) und seit 15 Jahren in der bayerischen Lehrerfortbildung tätig.

Bildnachweis: Fotolia_PetraNowack

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Zusammen wachsen Herausforderungen und Chancen für Patchwork-Familien
Eine neue Liebe finden. Wieder ein Miteinander leben, statt alles allein zu stemmen. Vielleicht sogar als neue Familie zusammenfinden...- Irgendwann nach der Trennung sehnen sich auch glückliche Single-Eltern nach einem neuen Beziehungsglück und steuern damit auf das Abenteuer "Patchwork" zu. Welche Chancen und Herausforderungen dieses bietet und wie man dabei schwierige Klippen umschiffen kann, darüber sprachen wir mit Kommunikations- und Systemcoach Heike Bauer-Banzhaf, die selbst auch seit vielen Jahren in einer Patchwork-Familie lebt.

"Wir machen das jetzt besser als vorher" - mit diesem guten Vorsatz ziehen viele Single-Eltern in eine neue Partnerschaft und müssen oft feststellen, dass sie nicht nur auf vertraute Beziehungsprobleme stoßen, sondern sich auch noch einen Haufen Schwierigkeiten zusätzlich einhandeln. Die Herangehensweise seit entscheidend, sagt dazu Heike Bauer-Banzhaf: "Hier ist schonungslose Ehrlichkeit mit sich selbst gefragt: Habe ich wirklich mit der alten Partnerschaft abgeschlossen? Was war mein Anteil daran, dass diese scheiterte? Wer dem ausweicht, lässt zu, dass viel negative Energie aus der alten Partnerschaft in die neue Familie hineinrutscht." Bei einer Patchwork-Familie prallen nicht nur zwei Menschen und ihre Kinder aufeinander, sondern zwei Familien-Systeme, zu denen neben dem Ex-Partner z.B. auch die Großeltern oder andere Anverwandte gehören sowie die in den jeweiligen Systemen üblichen Verhaltens- und Kommunikationsmuster. Entscheidend sei, dass jeder der beiden Partner immer wieder bei sich ist: bei seinen Gefühlen und Bedürfnissen. Dass er ehrlich und offen auf sich schauen kann - nur so könne er den schwierigen Spagat zwischen den eigenen und fremden Kindern und dem Partner bewältigen. "Verliebte reden gerne darüber, was ihr Glück ausmacht. Sie sollten aber auch darüber sprechen, wo ihre Unterschiede liegen, denn diese Themen kommen irgendwann und klopfen laut an die Tür." Die Frage "Wie stellen wir uns das denn eigentlich vor?", sollte ausgiebig besprochen werden. Wenn möglich, empfiehlt die Kommunikationstrainerin, sollte man aus dieser ersten Kennenlern-Phase die Kinder so lange wie möglich heraushalten. "Gerade zukünftige Patchwork-Paare sollten sich soviel Zeit wie nur möglich für eine mögliche gemeinsame Zukunft schenken, denn eines ist klar: Sobald sie ihre Kinder in die neue Liebe miteinbeziehen, zieht auch ein Teil des Ex-Partners mit ins Haus." Man solle sich die Zeit nehmen, um sich gemeinsam Sicherheiten zu schaffen, aber auch für die Fragen "Wo stehe ich mit meinem neuen Partner?" und: "Was kann ich für mich tun?", betont Heike Bauer-Banzhaf. Die beiden häufigsten Streitthemen seien - und das gelte nicht nur, aber vor allem für Patchwork-Familien - Geld und Erziehung. "Hier müssen klare Vereinbarungen geschaffen werden, die auch schriftlich fixiert gehören. Ob Haushaltskasse oder ein gemeinsames Konto - wie mit dem Geld umgegangen wird, sollte man gemeinsam aufschreiben. Dann steht es deutlich auf einem Papier, und es gibt deutlich weniger Missverständnisse und Diskussionen." Mit dem Thema Erziehung sei es da schwieriger, gibt sie zu und liefert eine erstaunliche Erklärung: "Meiner Erfahrung nach beobachtet man die Kinder des neuen Partners auf der einen Seite kritischer als die eigenen, geht mit ihnen allerdings auf der anderen Seite vorsichtiger um. Hier entsteht eine Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Kommunikation, die zu Anspannungen führen kann. Aus diesem Grund sollte jeder noch einmal zurück in die eigene Kindheit gehen und schauen, welches Eltern- und Erziehungsvorbild man mit seinen eigenen Eltern erlebt hat." Denn - tatsächlich neige man dazu, gerade die negativen Anteile der eigenen Kindheitserfahrungen an die Kinder des Partners weiterzugeben - sowohl die festsitzenden Glaubensätze der Ursprungsfamilie als auch das konkrete Verhalten bei Zuwiderhandlungen. "Deshalb sollte der neue Partner auf jeden Fall das Recht haben, den Kindern in einer konkreten Situation ihre Grenzen aufzuzeigen, aber nicht unbedingt, das Kind zu erziehen. Manchmal ist es da einfach besser, seinen Mund zu halten - ich empfehle da aus eigener Erfahrung größte Zurückhaltung, und das ist tatsächlich oft das Schwierigste. Patchwork ist ein pures Trainingslager für das Leben." Wessen Bedürfnisse Vorrang haben, wer gerade mal an erster Stelle steht und wer zurückstecken muss - solche familiären Alltagswidrigkeiten können insbesondere in einer Patchwork-Familie Sprengkraft entwickeln. Um darin zu bestehen, bräuchten Paare auch immer wieder den Rückzug auf ihre Zweier-Gefühle, die warme Innigkeit ihrer Verliebtheit, die man sich am besten stets abrufbereit im Hintergrund halte. "Das Leben in einer Patchwork-Familie zeigt uns viele blinde Flecken in unserer Persönlichkeit. Es ist wie ein Spiegel, der vor uns aufgestellt wird." Gerade deshalb berge aber eine Patchwork-Konstellation nicht nur viele Probleme, sondern auch zahlreiche Chancen. "Eine Patchwork-Familie ist nichts anderes als ein Team, das in dem System Familie einen vertrauensvollen Rahmen schaffen muss, damit ein offener Austausch möglich ist. Hier wird manchmal konstruktiver gestritten und um Lösungen gerungen, als in "normalen" Familien." Man lerne in einer Patchwork-Familie vor allem Großzügigkeit. "Alle darin brauchen ein großes Herz, um immer wieder die unvermeidlichen Fehler verzeihen zu können und sich unverdrossen auf die Suche nach einem neuen Anfang miteinander zu machen, wenn man mal wieder vor eine Wand rennt." Von diesem gemeinsamen Weg profitierten auch die Kinder, betont Heike Bauer-Banzhaf. "Das Beste, was ich meinem Kind geben kann, ist eine authentische Beziehung - zum Kind und auch zu meinem Partner. Das kann ich aber nur leben, wenn ich diese authentische Beziehung auch zu mir selbst habe und bei mir bin."
Kerstin Bönisch

Heike Bauer-Banzhaf: die diplomierte Schauspielerin und Autorin arbeitet seit 20 Jahren von Bamberg aus bundesweit als Kommunikationstrainerin und inzwischen auch als Systemischer Coach für Einzel- und Paar-Beratung. Mit ihrem Sohn und zweiten Mann sowie dessen beiden Töchtern lebt sie seit 2004 selbst in einer Patchwork-Familie.

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Ein Weltkulturerbe ohne Familien ist eine Geisterstadt
Das Bamberger Familienmagazin Bambolino erscheint mit dieser Ausgabe zum 50. Mal. In Bambolino spiegeln sich auch die Familienpolitik und vielfältigen Elternsituationen der vergangenen acht Jahre in und um Bamberg wider. Das Jubiläum gibt Anlass um mit den beiden Herausgeberinnen nach vorne und auch ein bisschen zurück zu schauen. Ein Interview mit Kerstin Bönisch (kb) und Britta Ruder (br), den beiden Herausgeberinnen des Bambolino. Das Gespräch führte Tilo Michal.


Wieso sollte man Bambolino lesen?

In keinem anderen Medium weit und breit sind Kinder - und Elternthemen sowie Tipps und Dienstleistungen in diesem Segment besser abgebildet. Wir hören von unseren Leser-Familien, dass wir in der gesamten Elternschaft in Stadt und Land und auch bei den Großeltern hohe Akzepttanz und Popularität besitzen. Dies zeigt sich z. B. an unserem familienspezifischen Kleinanzeigenmarkt, der boomt - trotz des zweimonatigen Erscheinens(br).

Das Magazin ist kostenlos, haben Sie damit nicht ein Imageproblem?

Das sicher nicht, denn unser Auftritt ist ja professionell, d.h. die Leser finden sauber recherchierte Themen und ein übersichtliches Layout vor. Dass wir bei der Produktion in einem Netzwerk aus qualifizierten Mitarbeitern arbeiten, zeigt ja nur, dass wir schnell reagieren können, flexibel in der Ausführung und flach in den Hierarchien sind. Also all das, was von der Wirtschaft immer gefordert wird und was auch dem aktuellen Unternehmens- und Selbständigkeitstrend entspricht (kb).


Zur Familienpolitik - ist aus der Sicht der letzten Jahre hier eine Handschrift in Bamberg sichtbar?

Ja und Nein. Dem definierten Anspruch als besonders familienfreundliche Stadt stehen zwar viele gute Angebote und Projekte gegenüber, deren Wirkung jedoch stark differiert. Bamberg bietet immer noch zu wenig Betreuungsoptionen für Alleinerziehende und Schichtarbeiter oder auch Angestellte im Einzelhandel. Es fehlt häufig an einer koordinierten und transparenten Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis sowie den familienspezifischen Institutionen. Wie positiv es sich auswirken kann, wenn es denn funktioniert, zeigt das "Bamberger Ferienabenteuer", das hoffentlich weiter besteht und ausgebaut wird (kb).

Was würden Sie sich wünschen?

Leider ist es oft so, dass viele gute Ideen im Ansatz stecken bleiben, weil die Familien erst gar nicht erreicht werden. Wünschenswert wäre, dass hier mehr der Netzwerk-Gedanke greift. Die einzelnen Institutionen wie Elterninitiativen, Vereine, Träger und Kommunen sollten mehr zusammen arbeiten, damit die Familien auch wirklich davon profitieren können. Bambolino sieht sich da ganz klar als Kommunikationsknotenpunkt. (br)

Wo gibt es unmittelbaren Handlungsbedarf?

Viele Spielplätze sind mittlerweile mangels Wartung in einem desolaten Zustand. Veraltete Geräte werden abgeschafft statt renoviert, wie z. B. das Piratenschiff auf dem Spielplatz an der Weide. Gleiches gilt für den Zustand mancher Schulen. Auch das Leben jenseits des Bahnhofes findet im Stadtrat häufig keine Beachtung. Auf der Ostseite von Bamberg leben doch mehr Familien als westlich der Regnitz und im Berggebiet! In der Innenstadt gibt es so gut wie keine Spielmöglichkeiten: In den Fußgängerzonen anderer Städte findet man zumindest Wipp-Tiere. Auch in der Innenstadt-Gastronomie fühlt man sich mit Kindern eher lästig als willkommen. Es kann doch nicht sein, dass die Inselstadt nur eine einzige Party-Zone für Singles und Dinkies ist und Kinder froh sein dürfen, wenn sie beim Essen eine halbe Portion kriegen und auf einem Kinderstuhl sitzen(kb)!


Wie könnte man die Gestaltungsmöglichkeiten für Familien in Bamberg weiter verbessern?

Indem Familien nicht immer nur als politische Vorzeigeprojekte dienen, sondern eine echte Lobby erhalten. Bei den Entscheidungsträgern muss sich stärker die Erkenntnis durchsetzen, dass Prestigeprojekte immer nur ein Standbein für das Image einer Stadt sind. Auch wenig populäre Familienthemen können zum wichtigen Standortfaktor werden, wenn sich Wissenschaftler, Führungskräfte und auch Facharbeiter in Bamberg niederlassen wollen und für ihre Familien weder bezahlbaren Wohnraum finden noch eine funktionierende Infrastruktur. Hier sind auch alle Eltern gefragt, sich bei den Politikern aller Parteien für ihre Belange einzusetzen, damit sich der Fokus verschiebt. Denn - ein Weltkulturerbe ohne Familien ist eine Geisterstadt (kb)!

Welche Aufgabe sehen Sie für Bambolino?

Bambolino sieht sich als Bindeglied. Die Resonanz unserer Leser auf unsere Themen - viele unserer Abonnenten sind Großeltern! - bestätigt uns darin, dass es möglich ist, unterschiedliche Interessengruppen anzusprechen. Letztendlich ist es für uns alle doch erstrebenswert, Bamberg zu einer Stadt zu machen, in der alle Bürger, egal welcher Herkunft oder Altersklasse, gerne leben und sich willkommen fühlen. Ziel muss ein aktives Miteinander und nicht Nebeneinander sein, denn nur so kann Bamberg auch das werden, was es zurzeit kommuniziert: Eine offene und moderne Stadt.(br)



Info:

Die Journalistin Kerstin Bönisch (42), geboren im ostfriesischen Emden, ist seit 2003 Herausgeberin und Gesicht des Bambolino. Mit der Bamberger Marketingexpertin Britta Ruder (41) bekam sie 2008 starken Rückenwind für ihr Magazin. Seit Januar 2010 gibt das fränkisch-norddeutsche Duo Bambolino im gemeinsam gegründeten WortWerk Verlag heraus. Trotz oder gerade wegen ihrer unterschiedlichen Prägung, Ausrichtung und Persönlichkeit empfinden die beiden kreativen Frauen ihre gemeinsame Arbeit gleichermaßen harmonisch und dynamisch.

Tilo Michal (43) ist gelernter Journalist. Er arbeitete bei Tageszeitungen wie Main Post, Passauer Neue Presse, Hamburger Morgenpost sowie bei Wirtschaftsmagazinen. Außerdem war er Reporter im bosnischen Bürgerkrieg. Michal lebt als selbständiger Journalist mit Frau und zwei Töchtern im Bamberger Gärtnerviertel und ist Inhaber der Presseagentur strichpunkt.

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