Kinder und Tiere
Haustiere sind eine Bereicherung für die ganze Familie und stärken die Entwicklung von Kindern
"Der redet halt nicht so viel auf mich ein". Das trockene Urteil ist eine große Liebesbekundung des pubertierenden Teenagers, der, wie es bei Pubertierenden so ist, nicht gerne namentlich genannt werden möchte. Die Hündin Setta begleitet ihn seit fast einem Jahrzehnt. Mit ihr tobt er im Garten herum und friert auf dem abendlichen Spaziergang, den Setta ohne Rücksicht auf die Wetterlage einfordert. Die Hundedame ist wild und oft hungrig, aber vor allen Dingen besitzt sie die ritterlichen Eigenschaften die sie zur engsten Vertrauten machen. Sie ist treu, zuverlässig und verschwiegen.
Der Wunsch nach einem Haustier ist bei vielen Kindern groß
Ob Hund, Hamster oder Wellensittich, die Sehnsucht nach einem Haustier ist bei vielen Kindern groß. Der zuverlässige und treue Spielpartner ist allerdings ein eigenständiges Wesen, dass auf die Fürsorge seines Besitzers angewiesen ist. Das schult zwar Zuverlässigkeit und Disziplin und bereichert das Leben der ganzen Familie, aber Eltern sollten trotz all der Vorteile wissen, dass die Verantwortung am Ende bei ihnen liegt. Manch ein Haustier lebt noch lange im elterlichen Haus, wenn die Kinder längst ausgezogen sind.
Nele Kattemeyer, 8 Jahre alt, hatte lange den Wunsch nach einem Haustier. Mit zwei kleinen Geschwistern ist die Entscheidung der Eltern auf zwei pflegeleichte Meerschweinchen gefallen. Zusammen hat die Familie ein großes Gehege im Garten gebaut, in dem die Meerschweinchen Bert und Speedy nun leben. "Wir wollten die Tiere nicht drinnen in einem kleinen Käfig einsperren, deshalb haben sie draußen ihr eigenes Reich bekommen. Mit viel Auslauf und einer gut isolierten Behausung haben sich die Meerschweinchen auch in dem langen Winter draußen wohl gefühlt", erzählt die Mutter Tina Kattemeyer. Allerdings lassen sich die Tiere nun kaum mehr anfassen und sind für Nele, Theo und Hanno keine Schmusetiere. "Meerschweinchen sind Fluchttiere und die Möglichkeit sich zu verstecken nutzen sie auch. Die Kinder brauchen Geduld bis die Tiere ihnen aus der Hand fressen und lernen dabei auch den Respekt vor der Natur, denn sie merken natürlich, dass es Bert und Speedy nicht gefällt eingefangen und festgehalten zu werden. Sicherlich wären die Meerschweinchen zahm, wenn sie hier im Haus leben würden. Dann könnten die Kinder mit ihnen spielen. Aber ob das den Meerschweinchen wirklich gefallen würde, weiß ich nicht", so Tina Kattemeyer.
Nun füttern Nele und manchmal auch ihre kleinen Brüder Theo und Hanno täglich die Meerschweinchen, helfen beim Saubermachen und freuen sich, wenn sie die Tiere beim Spielen und Futtern beobachten können. Sie haben inzwischen gelernt, dass die Tiere sie regelmäßig brauchen, und dass diese nicht so lange leben wie die meisten Menschen "Das erste Meerschweinchen, das wir angeschafft hatten, ist nach ein paar Monaten gestorben und wir mussten darüber diskutieren, wo wir es begraben wollen und was wohl mit der Seele passiert", erzählt die Mutter. Die Auseinandersetzung mit dem Tod und dem Verlust des geliebten Tieres gehört zu den anstrengenden aber genauso wertvollen Erfahrungen im Leben mit Haustieren.
Kinder lernen Regeln einzuhalten und konsequent zu sein
Ist ein Tier im Haus heißt es füttern, pflegen und erziehen. Kinder lernen Regeln einzuhalten und konsequent zu sein. Beim regelmäßigen füttern lernen Kinder die Vorlieben der Tiere kennen. Schnell wissen sie was dem Tier gut tut und wie sie mit ihm umgehen müssen. Dabei sollten Eltern immer wissen, dass letztendlich die Hauptverantwortung in ihren Händen liegt. Etwa ab dem achten Lebensjahr haben Kinder so viel Verantwortungsbewusstsein, dass sie ein kleines Haustier, wie einen Wellensittich oder ein Meerschweinchen versorgen können.
Erst mit etwa zwölf Jahren können sich Kinder selbständig um ihre tierischen Freunde kümmern. Sie lernen, dass es nicht immer leicht ist den Bedürfnissen der Tiere nachzukommen. Oft gehört eine gehörige Portion Selbstdisziplin dazu, doch noch bei stürmischem Regenwetter mit dem Hund eine Runde zu drehen oder den Käfig des Hamsters zu säubern, statt zu spielen oder fernzusehen. Doch die Tiere belohnen diesen Fleiß dankbar mit bedingungsloser Treue. Gerade in schwierigen Zeiten wird das Haustier zum besten Freund der Kinder. Treu und verschwiegen tröstet es beim Konflikt mit den Eltern oder verzweifelte Teenager beim Liebeskummer.
Doch auch kleinere Kinder profitieren von einem Haustier in der Familie. Der treue Hund oder das zahme Kaninchen unterstützen Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Tiere zeigen sehr schnell, was sie mögen und was nicht und geben den Kindern damit sofort eine Reaktion auf das eigene Verhalten.
Auch Kinder mit Allergien können ein Haustier haben
Auch die Angst, dass das Haustier bei Kindern Allergien auslösen oder verstärken können, lässt sich entkräften. Allergie gefährdete Kinder brauchen nicht auf ein Leben mit Haustier zu verzichten. Im Gegensatz zu früheren Behauptungen eignen sich beispielsweise Hunde sehr gut als Haustier für ein Kind, das anfällig für Allergien ist. Auch bei fast allen anderen Tierarten bestünde kein Grund zur Sorge. "Nur von Katzen und Nagetieren - wie Meerschweinchen, Hamster oder Kaninchen - würde ich abraten. Denn deren Haare und Hautschuppen enthalten Eiweißstoffe, auf die das Immunsystem besonders stark reagiert. Bei Hunden ist dies hingegen nicht der Fall", beruhigt Andreas Degenhardt, Allergologe aus Bremen. Ganz im Gegenteil: Untersuchungen von Niederländischen Wissenschaftlern der Universtity Medical Center Groningen hätten gezeigt, dass Kinder, die mit einem Hund zusammenleben, deutlich weniger anfällig für Allergien seien als ihre hundelosen Altersgenossen. Und das gilt nicht nur für Tierhaar-Allergien, sondern auch für Überreaktionen gegenüber Pollen, Hausstaubmilben oder Schimmelpilzen.
Anders sieht es allerdings aus, wenn das Kind unter Asthma leidet: In einem solchen Fall sollten Familien zur Sicherheit ganz auf haarige oder fedrige Mitbewohner verzichten - und lieber Schildkröten oder Fische anschaffen.
Ob vier, zwei oder gar keine Beine, Haustiere können zu guten Freunden werden. Für Reiter verbindet sich in der Pferdeleidenschaft zusätzlich Hobby und Sport. Die großen, edlen und starken Tiere sorgen gerade bei Mädchen für Entzücken.
Die zwölfjährige Christin Glindemann-Sievers aus Molfsee ist von Kindesbeinen an mit Pferden aufgewachsen. Mit zwei Jahren saß die Tochter der aktiven Reiterin Brigitte Sievers das erste Mal auf einem Pony. Ein halbes Jahr später tauschte das quirlige kleine Mädchen ihren Schnuller gegen den ersten eigenen Sattel ein und freute sich mit drei Jahren über ihr erstes eigenes Pflegepony "Isi". Fast täglich kümmerte sich Christin mit Hilfe ihrer Mutter um das Pony und schon bald gingen die beiden auf das erste Turnier.
Inzwischen hat die Gymnasiastin zwei eigene Ponys, die sie täglich zwei bis drei Stunden reitet. "Wenn ich nach der Schule nach Hause komme, esse ich Mittag, mache meine Hausaufgaben und dann geht es in den Stall", erzählt Christin. Zweimal die Woche hat sie Dressur- und Springtraining. An den anderen Tagen reitet und versorgt sie ihre Ponys. In dem Reitstall hat sie auch viele ihrer Freundinnen kennen gelernt. Die Mädchen mit dem zeitaufwändigen Hobby verstehen sich gut und genießen die gemeinsamen Stunden auf und bei den Pferden. "Wenn ich sehe wie Christin ihre Ponys verwöhnt, wünschte ich mir manchmal, dass sie zu Hause genauso ordentlich ist wie mit ihren Tieren", erzählt Mutter Brigitte Sievers. Sie ist fest überzeugt, dass das Reiten ihre Tochter in ihrer Entwicklung gestärkt hat. "Als Christin noch klein war, haben die großen Mädchen ihr immer gesagt wie niedlich sie ist. Das hat sie natürlich selbstbewusst gemacht. Seit sie erfolgreiche Turnierreiterin ist, weiß sie, dass sie nur durch Fleiß erfolgreich sein kann. Davon profitiert sie natürlich auch in der Schule, denn Christin weiß, dass sie die beiden Pferde nur behalten kann, wenn die schulischen Leistungen stimmen", erklärt Brigitte Sievers, die es genießt, ein Hobby mit der Tochter zu teilen.
Doch trotz der sportlichen Erfolge und der Reitstunden ist es für Christin das Schönste mit ihren Ponys Voltaire und Nadup zu kuscheln und in ihrer Nähe zu sein. Der Teenager ist sich sicher, dass die beiden Ponys sie verstehen und außerdem - reden die halt nicht so viel auf sie ein!
Sonja Paar
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