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Libelle
Düsseldorf

Libelle – Stadtmagazin für Leute mit Kindern

Stadtmagazine haben in Düsseldorf Tradition – vor allem für unternehmungslustige Anfang-20er, die ihr Single-Leben in vollen Zügen genießen können. Aber was ist mit den Familien? Diese Frage beantwortete der Frank Walber im Mai 2002 mit dem ersten Stadtmagazin für Leute mit Kindern in Düsseldorf. Die Libelle kam mit 16 Seiten und einer Auflage von 8000 Exemplaren in die Kindertageststätten, Stadtbücherein und Kinderläden aller Art. Wie stark die Nachfrage nach einem Magazin mit Veranstaltungshinweisen, professioneller Redaktion und Terminkalender war, lässt sich an aktuellen Zahlen ablesen. Im September 2006 erschien die Libelle mit einer Auflage von 25.000, jedes Exemplar umfasste 72 Seiten. Neben Herausgeber Frank Walber sorgen Anne Schwung (Organisation) und Dirk Tietenberg (Redaktionsleitung) sowie zahlreiche weitere Mitarbeiter dafür, dass die Libelle das Gesicht dieser „noblen“ Landeshauptstadt verändert. Es ist familienfreundlicher geworden.

Die drei „Macher“ des Stadtmagazins kümmern sich nun um jeweils zwei Kinder: ums eigene und um die Libelle. Alle sind sich darüber im Klaren, dass die Bedeutung eines Mediums für Familien über die Gründung und die Pflege eines monatlichen Magazins hinausgehen muss. In den vergangenen Jahren gingen zahlreiche Projekte von der Libelle aus. Die „Poesieschlacht ab acht“ ist fester Bestandteil der Schreib- und Leseförderung im Kulturzentrum „zakk“. Die „Düsseldorfer Märchenwoche“ in jedem November hat inzwischen nationale Anerkennung erreicht. Im Jahr 2006 gab Frank Walber den ersten Kinder- und Familienstadtplan für Düsseldorf heraus. Das große Fest zum Weltkindertag, das jährlich rund 100.000 Besucher ans Rheinufer lockt, wird von 45.000 „offiziellen“ Libelle-Heften zum Weltkindertag begleitet. Die „Junge Lesung“ im Geburtshaus des Dichters Heinrich Heine in der Düsseldorfer Altstadt bringt zudem bedeutende Kinderbuchautoren unmittelbar mit dem Zielpublikum in Kontakt; erwachsene „Hobbyvorleser“ und Kinder sollen davon profitieren.

Die Libelle „funktioniert“ redaktionell wegen der Vielfalt im Heft, dargestellt durch zahlreiche engagierte redaktionelle Mitarbeiter, die das Profil des Magazins entscheidend prägen. Leser werden ernst genommen, nicht bevormundet oder gelangweilt. Familien werden als mündige und prägende Mitglieder einer urbanen Umgebung wahrgenommen. Die Libelle gibt ihnen die Möglichkeit, sich zu informieren, weiter zu recherchieren, aus einem umfangreichen kulturellen Programm auszuwählen und familienpolitische Zusammenhänge kritisch zu hinterfragen. Die Libelle mischt sich ein. Als Beitrag zur aktuellen Bildungsdiskussion organisierte das Stadtmagazin den ersten „Tag der Reformpädagogik“ in Düsseldorf.

Webseite:
www.libelle-magazin.de

 

Unser aktueller Artikel

Bewegung für die Ohrenmäuse
Michael Becker hinterlässt als neuer Intendant der Düsseldorfer Tonhalle allerorten seine Handschrift. Der Vater von zwei Töchtern unterstützt auch Projekte wie die „Ohrenmaus“ für Zuhörer im Kindergartenalter. Im Juni 2008 ist bereits der nächste Termin des Mitmachkonzerts in der Tonhallen-Rotunde. Projektleiterin ist Birgitt Stamm (links im Bild). Die Tanzpädagogin kommt mit ihren „Tanzmäusen“ aus dem Tanzhaus nrw. Sie machen Bewegungen vor, das Publikum soll zur Musik mitmachen. Ariane Stern (rechts im Bild), in der Tonhalle für das pädagogische Programm zuständig, beobachtet die immer jüngere Altersgruppe in den Familienkonzerten seit einiger Zeit. „Die können noch nicht über die ganze Zeit still sitzen“, sagt sie. „Wir wollten an die Altersgruppe anders herangehen.“

Birgitt Stamm war die logische Ansprechpartnerin. Sie gilt als erfahren und kompetent im Umgang mit den „Mäusen“. „Jetzt mit klassischer Musik in der Rotunde, ein neuer Raum, ein neues Gefühl“, erzählt Birgitt Stamm. Zweimal war die „Ohrenmaus“ mit Stamm, der Moderatorin Jeanette Kloubek und einzelnen Mitgliedern der „Düsys“ bereits ausverkauft.

Auch für die dritte Folge mit dem „Solo-Pauker“ Bert Flas und dessen Schlagzeugklasse kommen Eltern kaum noch an Karten heran. Um nicht stets dieselbe Zielgruppe zu bedienen, die sich ohnehin stark an der musischen Förderung der Kinder beteiligt, werden Kindergärten angeschrieben. Nach „Zoo“und „Zauberwelt“ erwartet die Kinder diesmal das Thema „In der Großstadt“, vertont mit Percussions, arrangiert von Flas. Mit der Unterstützung des bundesweiten Förderprojekts „Take-off – junger Tanz“ sind auch Projekte wie die „Ohrenmaus“ planbar.Der starke Zulauf gibt den Projektleitern recht. Birgitt Stamm ist mit jeder Silbe anzuhören, dass sie ein Gegengewicht schaffen möchte zum Leistungsdruck, dem Kinder schon in jungen Jahren ausgesetzt seien. Sie betrachtet ihre Begabung als Auftrag. „Ich möchte eine künstlerische Ethik vermitteln“, sagt sie, „die Kinder als Ganzes sehen, ihnen Raum geben.“

Text und Foto: Dirk Tietenberg

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Täuschung der Schmetterlinge
Christoph auf der Horst ist Initiator der Kinder-Ringvorlesung an der
Düsseldorfer Heinrich-Heine-Uni. Der persönliche Referent des Rektors Alfons Labisch ist überzeugt, dass es „lernbiographisch“ keine Trennung zwischen Schule und Universität gibt. Das sei auch der Grund gewesen, die Kinder-Ringvorlesungen im Wintersemester 2005/06 ins Leben zu rufen.

Der Unterschied zur „Kinder-Uni“ nach dem Vorbild in Tübingen besteht darin, dass bei den Ringvorlesungen eine Fakultät, in diesem Semester die Mathematisch-Naturwissenschaftliche, zu einem übergeordneten Thema mehrere Vorträge für Kinder anbietet. Im Sommersemester 2008 wird die Frage lauten: „Warum ist die Welt so bunt?“ Den Anfang machen Georg Pretzler, der Professor am Institut für Laser und Plasmaphysik,Fach Physik, sowie Axel Görlitz, Professor am Institut für Experimentelle Physik. Das akademische Duo nimmt Licht und die Farben unter die Lupe.

Eine Woche später greift Klaus Lunau, Professor am Institut für Neurobiologie, in die Trickkiste der Natur. „Mimikry“ bedeutet Signalfälschung. Viele Tiere setzen das ein; beispielsweise die Schwebfliegen und Schmetterlinge, die ihr Äußeres so verwandeln, dass sie wie wehrhafte oder giftige Tiere erscheinen, um ihre Beutegreifer zu täuschen. Alle teilnehmenden Kinder bekommen nach der Veranstaltung ein offizielles Zertifikat, obwohl dem Initiator wichtig ist, dass es mindestens einen Bereich des Lebens geben sollte, der außerhalb von Noten stehe. Deshalb seien alle Kinder willkommen.

„Ich hielte es für falsch, jetzt nur die Besten zuzulassen. Mir ist lieber,
dass die Schüler freiwillig kommen“,
betont Christoph von der Horst.

Text: Stefanie Wille
Foto: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

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So glücklich war ich noch nie
Die Elterninitiative Kinderkrebsklinik gehört zu den erfolgreichsten ihrer
Art. Ursula Zappey steht dem Verein seit 1979 vor. Die Initiative sammelt
und springt seit jeher für Lücken ein, die von Staat, Kassen und Universität
bei der Versorgung krebskranker Kinder offen bleiben. „Ohne
Elterninitiativen können wir den Laden dicht machen“, sagt Zappey im
Interview und definiert erfolgreiche Arbeit über Momente des Glücks.

Libelle: Was hat sich seit der Gründung der Elterninitiative seit 1979 für
krebskranke Kinder geändert.
Ursula Zappey: Die Bedingungen sind viel besser. Krebskranke Kinder haben einen ganz anderen Stellenwert.


Libelle: Das Geld der Initiative fließt in verschiedene Projekte, unter anderem auch in die Verbesserung Behandlung krebskranker Kinder und Jugendlicher. Wie eng arbeiten Sie mit den Medizinern zusammen.

Zappey: Sehr eng, Anders geht es gar nicht.

Libelle: Warum hat die Kinderkrebsklinik in Düsseldorf und die Elterninitiative so einen hohen Stellenwert, auch im nationalen Vergleich?

Zappey: Kann sein, dass es so ist. Ich weiß nicht genau, aber vielleicht deshalb, weil wir kontinuierlich zusammenarbeiten. Wir sind ein sehr gutes Team.

Libelle: Wie wichtig sind weiche Faktoren wie Trauerbegleitung, Vätergesprächsgruppen, Teenie- und Kinderprojekte, Freizeitbetreuung oder der Abschiedsraum?

Zappey: Ohne diese Maßnahmen hätten die Kinder gar nicht diese Lebensqualität. Lebensqualität bedeutet ja nicht nur, dass die Kinder Spritzen und Tabletten kriegen. Wenn Kinder krank sind, gibt es für sie vielleicht nichts tolleres als in die Schule zu gehen. Allein die Tele-Schule, hierdurch verlieren die Kinder den Kontakt nicht zu den Mitschülern. Sie haben das Gefühl, dass sie an allem teilnehmen können wie jeder andere auch. Das geht auch wiederum nur in enger Zusammenarbeit mit der Medizin. Meiner Meinung wird in dem Bereich noch viel zu wenig getan. Hier müssten wir mehr Unterstützung bekommen.

Libelle: Unterstützen Sie auch die Geschwisterkinder?

Zappey: Ja


Libelle: Wie wichtig sind die Ehrenamtler?

Zappey. Ohne Ehrenamtler könnte man viele Projekte gar nicht realisieren. Sie sind für uns unersetzbar. Der gute Zusammenhalt und die Achtung vor der Arbeit jedes Einzelnen macht zum großen Teil den Erfolg aus.

Libelle: Sind Sie zufrieden mit den bisherigen Erfolgen?

Zappey: Nur zum Teil. Es müsste noch mehr passieren: Die TeleSchule muss als offizielles Projekt prüfungsrelevant werden. Wir haben z.B. ein Mädchen, dass hat mit Hilfe der Tele-Schule den Anschluss nicht verloren, ihr Abitur gemacht und studiert jetzt. Die ambulante Palliativbetreuung muss weiter ausgebaut werden. Oder die psychologische und soziale Betreuung der Kinder und Jugendlichen. Diese Betreuung ist sehr, sehr wichtig und wir übernehmen hier zum Teil diese Kosten, weil keine Mittel vorhanden sind. Dann ist es für ich unfassbar, dass es Monate dauert ( obwohl alle notwendigen finanziellen Mittel von uns bereit gestellt wurden) einen Abschiedsraum für die verstorbenen Kinder neu und liebevoll zu gestalten, damit die Eltern in Würde von ihren Kindern Abschied nehmen können. Dies ist nur ein Beispiel, wie schwer es für uns manchmal ist, Projekte zu realisieren, da hier die Bürokratie über dem Menschlichen steht.

Libelle: Fühlen Sie sich manchmal als Lückenfüller?

Zappey: Nein, die Arbeit macht schon viel Freude, man hat nicht nur Stress, sondern bekommt auch sehr viel Gutes zurück. Es ist nur bedauerlich, dass viele Verantwortliche den Eindruck haben, dass z.B. Freizeiten Vergnügen pur für die Betreuer ist. Dies ist ein großer Irrtum, denn zum einen opfern hier alle ihre Freizeit und zum anderen tragen die Betreuer eine große Verantwortung für die kranken Kinder und Jugendlichen. Hier würde ich mir
etwas mehr Unterstützung von Seiten der Verantwortlichen wünschen.

Libelle: Wann bezeichnen Sie diese Arbeit als erfolgreich?

Zappey: Erfolgreiche Arbeit ist, wenn ein Kind sich über etwas freut, obwohl es ihm schlecht geht. Ich erinnere mich an ein junges Mädchen, dass ist leider vor einem Jahr verstorben ist. Sie konnte kaum noch laufen und war einfach nur glücklich, weil wir ihr eine hübsche Haarverlängerung möglich gemacht hatten.

Libelle: Eine Haarverlängerung?

Zappey: Ja. Sie saß bei uns im Büro und sagte: ,So glücklich war ich noch nie.\\\' Wir wussten alle, dass sie sterben musste und sie wusste es sehr wahrscheinlich auch. Auch wenn die Kosten hierfür gering waren, für sie gab es nichts Schöneres. Das sind tolle Sachen. Dann wird man selbst ganz klein und unwichtig. Das ist für mich persönlich erfolgreiche Arbeit. Natürlich ist unsere Arbeit auch erfolgreich, wenn wir andere Projekte realisiert
haben.

Libelle: Wie wichtig sind diese weichen Faktoren für den Heilungsprozess, aus Ihrer Beobachtung?

Zappey: Da müssten Sie jetzt die ganzen Briefe lesen. Ich nenne Ihnen das Beispiel eines Jungen. Er hat immer gesagt, er will in seinem Leben unbedingt einmal mit einem Hubschrauber fliegen. Wir haben einen Hubschrauber besorgt. Es ging ihm sehr schlecht. Dann hat er sich so auf den anstehenden Flug gefreut dass er zwischenzeitlich sogar weniger Medikamente brauchte. Auch wenn er später gestorben ist, die verbleibende Zeit war eine gute Zeit. Ich glaube sehr, dass es zum und beim Überleben hilft.

Libelle: Können Sie aus Erfahrung beschreiben, wie Eltern sich fühlen, wenn die Diagnose Krebs lautet?

Zappey: Furchtbar, es ist mit Worten nicht zu beschreiben. Sie fallen in ein Loch und glauben, sie kommen da nicht mehr heraus. Und dann muss jemand da sein, der sie da rausholt.

Libelle: Wer kümmert sich darum?

Zappey: Psychologen, aber auch Menschen, die einfach nur zuhören können. Beim richtigen Zuhören erfährt man viele Dinge und kann dann auch helfen. Auch der neue Vätergesprächskreis ist für die Betroffenen sehr wichtig.

Libelle: Was ist für Sie als Elterinitiative für die Zukunft wichtig?

Zappey: Das wir alle gesund bleiben, um auch weiterhin allen Betroffenen helfen zu können.

Libelle: Ist Krebs als Thema immer noch ein Tabu?

Zappey: Krebs ist kein Tabuthema mehr. Vor 27 Jahren waren die Menschen sicherlich noch nicht so informiert wie heute.

Libelle: Was sagen Sie den Leuten, die keine Berührungspunkte mit Krebs haben wollen?

Zappey: Ich akzeptiere das. Am schlimmsten finde ich es, wenn jemand ohne persönliche Erfahrung sagt: ,Ich verstehe wie du dich fühlst.’ Das kann niemand verstehen. Oft ist dieser Ausspruch aber nur ein Gefühl der Unsicherheit wie man sich verhalten soll. Jeder muss für sich entscheiden, wie nah er das Thema an sich heranlässt.


Info:

Das Behandlungszentrum für krebskranke Kinder in der Düsseldorfer Universitätsklinik war bis 1979 ein marodes Gebäude mit unzumutbaren Zuständen. Es bestand die Gefahr, dass die Kinder noch kränker wurden. „Ein völlig unhaltbarer Zustand“, klagte auch der damalige Abteilungschef Ulrich Göbel. Am 28. November 1979 wurde die „Elterninitiative Kinderkrebsklinik“ von betroffenen Eltern, Krankenschwestern und Ärzten gegründet. Die Initiative schrieb eine beispiellose Düsseldorfer Erfolgsgeschichte. Haupthandlungsstrang ist die Sammlung von Spenden, viele Millionen, um die Verhältnisse für die Kinder, die Geschwisterkinder der Erkrankten, für die Eltern, die Mitarbeiter der Medizin und der Pflege zu erleichtern. Ursula Zappey ist von Beginn die Vorsitzende des Vereins, der mittlerweile etwa 2000 Mitglieder hat. Kontakt: Elterninitiative Kinderkrebsklinik, Bunzlauer Weg 31, Telefon: 0211.27 99 98, www.kinderkrebsklinik.de

Dirk Tietenberg

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