Kleine Kicker - große Träume
Fußball ist die Lieblingsfreizeitbeschäftigung vieler Jungen. Auch der achtjährige Paul spielt seit drei Jahren im Verein um die Ecke. "Später werde ich Profi-Fußballer bei Borussia Dortmund", erklärt er aus voller Überzeugung.
Mit diesem Traum ist Paul nicht allein. Fast jeder dritte Junge hegt irgendwann in seinem Leben einmal den Wunsch, ein Fußballstar zu werden. Die Sportvereine haben in den letzten Jahren einen enormen Zuwachs bekommen, was nicht zuletzt dem fußballbegeisterten Nachwuchs zu verdanken ist. Doch warum rennen so viele Kinder - insbesondere Jungs - dem Ball mit Feuereifer hinterher? "Das hat natürlich mit der medialen Präsenz des Sports zu tun", glaubt Martin Hugel, Jugendtrainer und Spieler der U23 bei Preußen Münster 06. "Nach der Weltmeisterschaft 1954 hat der Fußball in Deutschland immer mehr an Bedeutung gewonnen und nimmt mittlerweile einen wichtigen Platz in der Gesellschaft ein. Die Fußballstars werden zu großen Vorbildern für die Kinder und diesen eifern sie natürlich auch nach ..." Und wie heißt noch ein schönes Sprichwort: "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm..." Viele Väter und Großväter sind bereits mit dem Virus Fußball infiziert und mit dieser Begeisterung wird der Nachwuchs dann schnell angesteckt. Klar, Väter sind schließlich die größten Vorbilder ihrer Kinder!
Die mediale Präsenz des Sports und die daraus resultierende Fußballbegeisterung kommen natürlich auch den Vereinen vor Ort zu Gute, denn hier melden sich die Kicker von morgen schon in jungen Jahren an. "Der Bereich Münster und Warendorf hat eine unglaublich hohe Anzahl an Vereinen, ich glaube, wir haben hier sogar den größten Fußballkreis in NRW", so Hugel. Das ist zum einen natürlich für den Leistungsbereich förderlich, denn in den Vereinen der einzelnen Stadtteile wird super Arbeit geleistet und die Kids gut ausgebildet. Und davon profitierten später leistungsorientierte Vereine wie eben Preußen Münster 06!", meint der Jugendtrainer. "Außerdem lockt dieser Boom die Jungs natürlich auch von der Konsole und dem PC weg, was ein sehr positiver Nebeneffekt ist."
Auch wenn Preußens erste Mannschaft derzeit "nur" in der Oberliga spielt, so ist dieser Verein für Münsters Nachwuchskicker erstmal die Top-Adresse schlechthin. "Minimannschaften haben wir hier gar nicht", erzählt Hugel, "In diesem Jahr ist die U 14 unsere jüngste Mannschaft, im kommenden Jahr wird es dann eine U13/U14 geben, das sind die Jahrgänge 1996/1997. Wir würden gerne mit noch jüngeren Mannschaften anfangen, aber dafür reichen die Kapazitäten momentan einfach nicht aus ..." Die Jugendmannschaften bei Preußen Münster spielen alle in der jeweils höchsten Liga ihrer Klasse. Klar, dass hier nur Platz für junge Talente ist.
"Unsere Scouts - zu denen ich auch gehöre - schauen regelmäßig bei anderen Vereinen rund um Münster vorbei. Wenn uns ein Spieler auffällt, sprechen wir ihn an und laden ihn zum Training ein. Die Spieler können sich aber auch selber bei uns bewerben. Nach einigen Probetrainings bekommen die Gäste dann Bescheid, ob es spielerisch für sie eine Zukunft bei Preußen gibt". Da der Verein nur eine Mannschaft pro Jahrgang hat, wird natürlich stark selektiert. Und jeder Spieler muss immer wieder um seinen begehrten Platz kämpfen. Da kommt es durchaus vor, dass Jugendtrainer Hugel dem einen oder anderen hoffnungsvollen Nachwuchskicker mitteilen muss, dass ihre Leistung für den Verein nicht ausreicht. "Das ist immer eine schwere Situation, aber die Spieler wissen, worauf es hier ankommt und sie werden auch regelmäßig über ihren Leistungsstand informiert. Wenn es dann einfach nicht mehr hinhaut, führen wir Gespräche mit den betroffenen Spielern und ihren Eltern. Wichtig ist es dabei auch, den Jungen ihre Perspektiven aufzuzeigen, denn schließlich führen viele Wege zum Ziel und nicht immer ist der gerade Weg auch der richtige. Überforderung bringt niemanden weiter. Statt bei Preußen die Bank zu wärmen, kann es durchaus gut sein, einen Schritt zurück zu gehen, und in einem anderen Verein wieder Spielpraxis zu sammeln. Wenn der Spieler den Spaß und die Lockerheit zurück gewonnen hat, dann geht' s oft auch leistungsmäßig wieder bergauf. Und wenn nicht, dann bleibt der Sport eben ein Hobby, das Spaß macht."
Der Beruf "Profi-Fußballer" oder "Fußballstar" wird nicht umsonst Traumberuf genannt, denn für viele bleibt er einfach ein Traum. Und wenn' s nicht bis in den Spitzenfußball reicht: auch in den Ober- und Regionalligen werden bei vielen Vereinen Profis engagiert und die verdienen schon ganz ordentlich. Martin Hugel finanziert sich mit seiner Tätigkeit als Trainer, Co-Trainer und Spieler bei Preußen Münster derzeit ein Studium der Geschichte und Germanistik, ein Sportstudium soll folgen. Dass er keine Chance hat, einmal als Fußballprofi seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, gibt der 24-jährige Fußballfan zu. "Dafür reicht es spielerisch einfach nicht." Aber es gibt ja auch jede Menge anderer Tätigkeiten rund um den Sport. Hugel spielt seit 18 Jahren Fußball, seit 10 Jahren engagiert er sich in verschieden Vereinen als Jugendtrainer und seit 2004 ist er bei Preußen Münster tätig. Mit seiner Trainer A-Lizenz ist er zumindest für diesen Bereich bereits richtig gefragt und er kann sich durchaus vorstellen, hier irgendwann ganz einzusteigen.
"Bei der Trainertätigkeit im Jugendbereich kommt es besonders darauf an, seine persönlichen Belange zurück zu stellen und nur die Talente im Auge zu haben und sie entsprechend zu unterstützen", erklärt Martin Hugel, "Im Leistungssport müssen wir die Jungen einfach auf den Profi-Fußball mit all seinen Drucksituationen vorbereiten. Im Breitensport stehen Geduld, Motivation und Spaßvermittlung natürlich an erster Stelle, sonst verlieren die Kids schnell die Freude am Spiel."
Wer bei Preußen spielen möchte, muss sich auch bewusst machen, dass das nicht einfach so nebenbei läuft und viel Zeit in Anspruch nehmen wird. Einige Spieler kommen von außerhalb und auch innerhalb Münsters ist das Preußenstadion nicht gerade um die Ecke. Hinzu kommen 2 bis 3 Mal die Woche Training und auch die meisten Wochenenden sind für den Sport einzuplanen. "Bei diesem Aufwand ist die Unterstützung der Eltern natürlich gefragt. Leider erlebe ich es aber auch immer wieder, dass die Eltern ehrgeiziger zu sein scheinen als die Kinder", berichtet der Jugendtrainer von seinen Erfahrungen. "Die Initiative sollte aber immer vom Kind ausgehen, das ist die Grundvoraussetzung! Sicherlich können die Eltern den Jungen mal einen Schups geben, aber wer im Profibereich Fuß fassen möchte, muss ganz klar andere Interessen zurück stellen. Daher müssen wir und auch die Eltern es einfach akzeptieren, wenn ein Talent mal irgendwann sagt, dass es einfach mehr Zeit mit Freunden oder anderen Hobbys verbringen möchte..." Tatsächlich ist es so, dass der Traum vom Fußballstar mit zunehmendem Alter abnimmt und viele Jugendliche von sich aus abspringen und andere Interessen entwickeln.
Hugel ist jedenfalls auch nach 18 aktiven Jahren immer noch mit Leidenschaft am Ball - egal ob als Spieler oder Trainer. "Meine persönliche Faszination an diesem Sport ist der Wettkampf. Gemeinsam bereitet man sich darauf vor und gibt dann beim Spiel einfach alles. Mal reicht` s und mal eben nicht. Wie heißt es dann so schön: Neues Spiel, neues Glück ..."
Kerstin Reinke
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