Kinderfreundlichkeit ist mehr als bunt
Ein Kommentar zur UNICEF Kinderstadt Karlsruhe 2010
von Andrea Sauermost
Karlsruhe hat sich als
UNICEF-Kinderstadt
2010 ehrgeizige Ziele gesetzt. Dabei wird das Erreichen der 300.000 Euro-Spendenmarke vermutlich noch das realistischste Ziel sein, vor allem, wenn es den Unicef-Mitgliedern gelingt, konkret und überzeugend über die Situation in den Projektländern und den Einsatz der Spendenmittel dort zu informieren. Dass UNICEF Deutschland bei der Verwendung der Spendengelder besonders sorgfältig und transparent vorgehen wird, davon ist knapp zwei Jahre nach dem durch Unregelmäßigkeiten entstandenen Spendenskandal auszugehen. Inder Konsequenz hatte Unicef Deutschland seinen kompletten Vorstand ausgewechselt und strebt nun an, das damals entzogene DZI-Spendensiegel zurück zu bekommen. Die Schwelle dafür ist hoch.
Weit ehrgeiziger ist das zweite Ziel, nämlich die Verbesserung der Kinderfreundlichkeit in Karlsruhe. Sicher - Karlsruhe tut viel für Kinder und ihre Familien, nicht zuletzt mit Hilfe vorhandener Netzwerke wie dem Bündnis für Familie oder auch die City Initiative, die beispielsweise zusammen mit dem Bündnis das Projekt "Kinder- und Familienfreundlicher Service" entwickelt hat. Und auch die Stadt und hier vor allem das Kinderbüro entwickeln ihre zahlreichen Angebote für Kinder und ihre Familien ständig weiter.
Doch der OB hat in einem Nebensatz erwähnt, bei der Weiterentwicklung der Kinderfreundlichkeit in diesem Jahr auch die Integration von Minderheiten fördern zu wollen. Und hier kommt er dem Ziel von UNICEF als UN-Kinderhilfswerk am nächsten: Denn dabei geht es um die Integration von Kindern, die am Rand stehen, weil sie von Armut betroffen sind, weil sie einer anderen Nationalität angehören oder weil sie eine Behinderung haben. Kinderfreundlich würde also in diesem Zusammenhang heißen, dass auch diese Kinder willkommen und dabei sind, wenn Feste gefeiert und Veranstaltungen durchgeführt werden. Langfristig würde es aber auch bedeuten, dass diese Kinder die gleichen Chancen haben, wie alle anderen Kinder, insbesondere, wenn es um Bildung geht. Und in diesem Punkt ist Deutschland Entwicklungsland.
So sei allen, die sich um die Belange der "Minderheiten" in Karlsruhe kümmern geraten, den Oberbürgermeister an dieser Stelle besonders ernst zu nehmen.
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Karlsruhe ist UNICEF-Kinderstadt 2010
Karlsruhe ist UNICEF-Kinderstadt 2010
Dreihunderttausend Euro und noch mehr Kinderfreundlichkeit in der Fächerstadt - dies sind die ehrgeizigen Ziele von Oberbürgermeister Heinz Fenrich als Oberhaupt der Unicef-Kinderstadt Karlsruhe 2010. Am 13. Januar übergab ihm sein Kollege in Leipzig - der Unicef-Kinderstadt 2009 - die Staffel, damit ist Karlsruhe bereits die 17. Stadt in Deutschland, die nun für ein Jahr lang Partnerin des UN-Kinderhilfswerkes ist.
In diesem Jahr sollen möglichst viele Veranstaltungen und Feste in Karlsruhe im Zeichen von Unicef stehen. Unternehmen, Organisationen, Verbände und Privatpersonen sind aufgerufen, hier kreativ zu werden. Dabei geht es nicht nur um das Sammeln von Spenden, sondern auch darum, über die Situation der Kinder in Entwicklungsländern zu informieren und den Aspekt der Kinderfreundlichkeit in unserer eigenen Stadt in den Vordergrund zu rücken und dafür zu werben.
"Am Ende vom Jahr sollen die Karlsruher Kinder sagen, dass es ihnen noch mehr Spaß macht hier zu leben, zu wohnen und zu spielen", betont Fenrich. Und er hat dabei auch die Integration von Minderheiten im Blick.
Mit den Spenden werden ganz konkret zwei Unicef-Hilfsprojekte in Afrika unterstützt: In dem zentralafrikanischen Burundi geht es um die Verbesserung der Gesundheitssituation. Jedes vierte Kind stirbt dort vor seinem 5. Lebensjahr. Impfschutz, Moskitonetze und bessere hygienische Bedingungen sollen helfen, die Überlebenschance der Kinder zu verbessern. In Niger sollen die Bildungschancen vor allem der Mädchen und Frauen verbessert werden - lediglich 12 Prozent der hier lebenden Frauen können lesen und schreiben. Mit Hilfe der Karlsruher Spenden will Unicef hier zusätzliche Klassenzimmer bauen, Schulmaterial bereit stellen und Lehrer schulen. Angesichts der aktuellen Erdbebenkatastrophe in Haiti hat Oberbürgermeister Fenrich in Absprache mit Unicef überdies eine schnelle Hilfe für das Katastrophengebiet zugesagt - die ersten eingegangen Spenden werden daher sofort für die Notfallversorgung durch Unicef in Haiti eingesetzt.
Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Schulen und Unternehmen, die sich im Rahmen von Unicef-Kinderstadt Karlsruhe 2010 engagieren wollen, können sich an den Unicef-Koordinator der Stadt Karlsruhe Johannes Schmitz unter Tel. 0721/133-5605 wenden. Informationen im Internet gibt es unter www.unicef-kinderstadt2010.de.
Wer ist Unicef?
Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen setzt sich seit über 60 Jahren mit 7000 Mitarbeitern in 160 Ländern für Kinder in Entwicklungsländern in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa ein. Weitere 40.000 freiwillige Helfer, allein 8000 in Deutschland, unterstützen die Ziele und Aktionen der UN-Organisation auf der Grundlage der UN-Kinderrechtskonvention. Auch in Karlsruhe gibt es bereits seit 1956 eine aktive Arbeitsgruppe, die in den letzten drei Jahren aufgrund der herausragenden Aktivitäten der rund 26 Juniorbotschafter rund um die Leiterin Ursula Grass besonders von sich reden machte und maßgeblich dazu beitrug, dass Unicef Deutschland Karlsruhe die Partnerschaft anbot.
Andrea Sauermost
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